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Augen zu, wenn die Spritze kommt!

Gutes Zureden beruhigt Patienten bei Injektionen. Noch besser ist es sogar, beim Spritzen wegzuschauen. Das bestätigt ein originelles Experiment.

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Nicht hinschauen, dann tun Spritzen auch nicht so weh.

Nicht hinschauen, dann tun Spritzen auch nicht so weh.

© Sanders / fotolia.com

HAMBURG (EO). In einem Experiment zum Schmerzempfinden bei Injektionen mussten Probanden ihre Hand so in eine Kiste stecken, dass sie unterhalb eines in das Behältnis integrierten Bildschirms zu liegen kam.

Auf dem Monitor wurde einer von mehreren Kurzfilmen gezeigt, berichten Marion Höfle und ihre Kollegen von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (Pain 2012; 153: 1074).

In einem Clip war eine (fremde) Hand zu sehen, die entweder Nadelstiche erhielt oder sanft mit einem Wattestäbchen berührt wurde. Als Kontrolle diente ein Film, in dem nur eine Hand zu sehen war.

Parallel zu den Videos wurde der Zeigefinger der für die Probanden unsichtbaren eigenen Hand mit Elektroschocks gereizt.

Die elektrischen Stimuli wurden als intensiver und auch als unangenehmer empfunden, wenn die Teilnehmer zusahen, wie im Clip - zeitgleich mit der Elektrostimulation - die Nadel oder auch das Wattestäbchen die virtuelle Hand berührte, als wenn ihnen die Hand im Film allein und ohne Manipulation vorgeführt wurde.

Als Maß für die Schmerzintensität diente eine visuelle Analog-Skala (VAS) mit Werten zwischen 0 (kein Schmerzempfinden) und 100 (heftigster Schmerz).

Pupillen reagieren schon vor der Injektion

Die Bewertungen auf der Skala fielen zudem eindeutig höher aus, wenn der Arzt angekündigt hatte, dass es jetzt gleich wehtun würde, unabhängig davon, ob die Hand im Clip offensichtlich schmerzhaft gepikst oder sanft von einem Wattestäbchen berührt wurde.

Bei der subjektiven Schmerzempfindung, gemessen mittels VAS mit den Extremen 0 (gar nicht unangenehm) und 100 (äußerst unangenehm), kam es zu signifikant höheren Werten, wenn die elektrischen Reize von einem Clip mit dargestellter Manipulation begleitet waren, und zwar sowohl bei schmerzhafter als auch bei nicht schmerzhafter Stimulation.

Bei dieser Anordnung zeigten sich außerdem deutlichere Pupillenreaktionen, und zwar schon 200 ms vor Beginn der Elektrostimulation. Für die Forscher ist das ein Hinweis darauf, dass frühere Erfahrungen darauf Einfluss nehmen, wie jemand eine Injektion erlebt.

Die Forscher empfehlen Patienten, einfach "wegzuschauen", wenn der Arzt die Spritze zückt. Dies könne sowohl die Schmerzintensität senken als auch den Eindruck dämpfen, die Injektion sei "unangenehm".

Zudem wird empfohlen, einem Patienten durch gutes Zureden von seiner negativen Erwartungshaltung abzubringen, also zum Beispiel zu sagen: "Sehen Sie nicht hin, dann tut es auch nicht weh".

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Kommentare
Dr. Ulrich Kainzbauer 25.05.201207:35 Uhr

Blutabnehmen mit oder ohne Ablenkung oder wegsehen

Die Ergebnisse in der Studie entsprechen auch meinen Erfahrungswerten. Allein schon, dass die Patienten zum Blutabnehmen kommen, sorgt bei vielen schon die Erwartungshaltung, dass gleich der Schmerz kommt. Bei den "beruhigenden" Worten: "..., tut es auch nicht weh" kann das Wort "weh" im Verstehen übrigbleiben, was den Schmerz verstärkt.
Ich habe gute Erfahrung gemacht mit den Worten: "So, jetzt genießen, entspannen". Die Patienten sind meist so verblüfft, wie sie sich bei der Blutabnahme entspannen oder es genießen sollen, dass ich schon den Stich ausgeführt habe, ohne dass sie es bewusst wahrnehmen.

Dr. Ulrich Kainzbauer, FA für PRM, Fachklinik Enzensberg

Dr. Thomas Georg Schätzler 24.05.201218:18 Uhr

Logik auf der ''anderen'' Seite der Spritze?

Müssten dann nicht Ärztinnen und Ärzte auf der anderen Seite der Spritze extra Schmerzensgeld bekommen, weil sie bei allen Punktionen besonders genau hinschauen müssen, um lege artis vorzugehen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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