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US-Studie

Autisten bleiben häufig ungeimpft

Hat ein Kind Autismus, verweigern ihm seine Eltern häufiger empfohlene Impfungen, so eine große US-Studie. Doch dies hat auch Auswirkungen auf die jüngeren Geschwister.

Alexander JoppichVon Alexander Joppich Veröffentlicht:
Impfen schützt gegen viele Leiden. Eltern von Autismus-Kindern lehnen diese aber signifikant öfter ab.

Impfen schützt gegen viele Leiden. Eltern von Autismus-Kindern lehnen diese aber signifikant öfter ab.

© by-studio / stock.adobe.com

OAKLAND, KALIFORNIEN. Autistische Kinder sind signifikant seltener vollständig geimpft. Und: dies gilt auch für ihre jüngeren Geschwister. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher vom US-amerikanischen Kaiser Permanente Vaccine Study Center in einer retrospektiven Kohortenstudie, die im Fachmagazin "JAMA Pediatrics" veröffentlicht wurde (doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.0082).

Die Forscher untersuchten 3729 Kinder mit einer Autismus-Störung (austism spectrum disorder, ASD), die Vergleichsgruppe enthielt 592.907 ohne ASD. Der Anteil der Mädchen betrug in der Autismus-Gruppe 18,1 Prozent, in der Kontrollgruppe waren es 42,2 Prozent. Die Wissenschaftler verglichen beide Gruppen danach, ob ein Kind alle Impfungen gemäß den Empfehlungen des Advisory Committee on Immunization Practices – einem Pendant zur deutschen StiKo – erhalten hatten.

Seltenere vollständige Impfung unter ADS-Kindern

Im Alter zwischen vier und sechs Jahren waren signifikant weniger Autisten nach den Empfehlungen vollständig geimpft (ARR 0,87, 95% CI, 0,85-0,88).

Altersunabhängig lehnten die Eltern eines Kindes mit ASD auch häufiger zumindest eine Impfung bei ihren nachfolgenden Kindern ab, wobei die Anzahl der nicht-geimpften Kinder zurückgeht, wenn diese älter werden: Während die jüngeren Geschwister im Alter von unter einem Jahr häufiger nicht vollständig geimpft waren (ARR 0,86), glichen sich die Verhältnisse an, wenn sie erst einmal zwischen 11 und 12 Jahren alt waren (ARR 0,96).

Ohne Autismusstörung eines ihrer Kinder sind Eltern also generell bereitwilliger, ihre Zöglinge – auch jüngere Geschwister des kranken Kindes – nach den empfohlenen Vorgaben impfen zu lassen.

Gründe für Nicht-Impfung unklar

Woran liegt die Diskrepanz? Hierin liegt eine Einschränkung der Studie, sagen die Autoren. Sie könnten nicht belegen, dass die Nicht-Impfung der jüngeren Geschwister mit der Krankheit des älteren Bruders oder der älteren Schwester zusammenhängen. Die Weigerung der Eltern, ihre jüngeren Kinder impfen zu lassen, könnten viele andere Gründe haben. Ob der immer wieder, vor allem heute im Internet, verbreitete Mythos, dass Schutzimpfungen Autismus auslösen, die Eltern argwöhnisch gegenüber Vakzine machen, bleibt in der Studie somit unbeantwortet.

Ursprung des Mythos: Die These des britischen Arztes Andrew Wakefield, nach der MMR-Impfungen das Risiko für Autismus fördern, wiederlegten US-Forscher bereits vor knapp drei Jahren. Wakefield erhielt Geld von Anwälten, deren Mandanten die Impfstoff-Hersteller verklagten, nachdem sie ein Kind mit einer Autismusstörung bekommen hatten. Er verlor seine Zulassung als Arzt.

Die Impfweigerung der Eltern führe allerdings sicherlich dazu, dass ASD-Kinder und deren jüngere Geschwister ein erhöhtes Risiko besitzen, an Krankheiten zu leiden, die durch Impfungen hätten verhindert werden können, resümieren die US-Forscher.

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