Darmkrebs

Begleiterkrankungen verzögern die Diagnose

Kolorektale Karzinome werden später entdeckt, wenn die Betroffenen an weiteren Krankheiten leiden – unabhängig davon, ob die Begleiterkrankungen ähnliche Symptome hervorrufen oder nicht.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Kolon-Ca: Besonders eine gleichzeitig vorliegende chronisch entzündliche Darmerkrankung kann die Diagnose verzögern.

Kolon-Ca: Besonders eine gleichzeitig vorliegende chronisch entzündliche Darmerkrankung kann die Diagnose verzögern.

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EXETER. In der Zeit vor einer Malignomdiagnose nimmt in der Regel die Häufigkeit von Arztbesuchen zu. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Kontakten um verpasste Gelegenheiten für eine frühere Diagnosestellung.

Die Gefahr eines solchen Versäumnisses besteht nach britischen Daten zum kolorektalen Karzinom vor allem bei Patienten mit Begleiterkrankungen. Verlängerte Diagnoseintervalle fanden sich nicht nur bei Patienten mit chronischen Darmerkrankungen, sondern auch mit Multimorbidität oder KHK.

Mediziner der Universität Exeter haben sich die Krankenakten von 4512 Patienten im Alter über 40 angesehen, die im Jahr vor ihrer Darmkrebsdiagnose mit ersten Symptomen einen Hausarzt aufgesucht hatten (Brit J Cancer 2017; 116, 1536–1543). Bei 73 Prozent der Patienten bestanden demnach "konkurrierende Anforderungen", also Behandlungsbedarf ohne Bezug zum Darmkrebs, und bei 31 Prozent "alternative Erklärungen", also Erkrankungen mit vergleichbaren Symptomen.

Abhängig von der Zahl der Begleiterkrankungen – keine, ein bis zwei, mehr als drei – verlängerte sich das diagnostische Intervall zwischen erster Dokumentation von Beschwerden bis zur Entdeckung des Krebses. Die Assoziation war aber nicht linear, im hohen Alter (ab 80 Jahren) war der Unterschied deutlich stärker ausgeprägt als in mittleren Jahren.

"Alternative Erklärungen" und "konkurrierende Anforderungen" hatten, wenn andere Unterschiede berücksichtigt wurden, einen vergleichbaren Einfluss auf das Diagnoseintervall: Es verlängerte sich um neun beziehungsweise zehn Tage, wenn jeweils einer dieser Zustände vorlag. Bei vier oder mehr "konkurrierenden Anforderungen" dauerte es im Vergleich zu Patienten ohne Begleiterkrankung sogar 32 Tage länger, bis die Diagnose gestellt war.

Von insgesamt 20 Erkrankungen und Therapien, die separat analysiert wurden, standen vier in einem signifikanten Zusammenhang mit der Zeit bis zur Diagnose. Den größten Aufschub, plus 26 Tage, gab es bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Eine KHK, eine Divertikulose/Divertikulitis sowie Angst/Depression verlängerten das Intervall jeweils um 15, 14 und 9 Tage.

Laut den Studienautoren um Luke Mounce entsprechen die Zuwächse beim Diagnoseintervall bei Vorliegen einer einzelnen Erkrankung mit und ohne Bezug zum kolorektalen Karzinom einer Verlängerung um 12 und 13 Prozent und stellen damit einen klinisch signifikante Verzögerung dar.

Die Frage, ob sich die verschleppte Diagnosestellung auf die Prognose auswirkt, wird durch die Studie nicht beantwortet. Das Team um Mounce vermutet, dass sie für manche Patienten unerheblich ist, bei anderen aber zu Tumorprogression und Komplikationen führen kann. In großen Kohortenstudien waren Verzögerungen der Darmkrebsdiagnose mit schlechteren Überlebensaussichten verbunden.

Studienergebnisse in Kürze

» Bei 73 Prozent der Patienten bestanden "konkurrierende Anforderungen", also Behandlungsbedarf ohne Bezug zum Darmkrebs.

» Bei 31 Prozent gab es "alternative Erklärungen", also Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen.

» Bei einer "konkurrierenden Anforderung" oder einer "alternativen Erklärung" verzögerte sich die Diagnose "Darmkrebs" um neun bis zehn Tage.

» Bei vier oder mehr "konkurrierenden Anforderungen" dauerte es im Vergleich zu Patienten ohne Begleiterkrankung 32 Tage länger, bis die Diagnose gestellt war.

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