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Bei Hepatitis B sind Koinfektionen mit zweitem Hepatitisvirus-Typ häufig

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Bei Patienten mit Hepatitis B kommen Koinfektionen mit Hepatitis-C- (HCV) und Hepatitis-D-Viren (HDV) viel häufiger vor als bisher angenommen. Dies sollte unbedingt überprüft werden, mahnte in Köln Privatdozent Dr. Heiner Wedemeyer aus Hannover.

Etwa jeder zehnte der schätzungsweise 600 000 an chronischer Hepatitis B erkrankten Patienten in Deutschland ist gleichzeitig mit einem zweiten Hepatitisvirus-Typ infiziert. Nach Schätzungen von Spezialisten gibt es 30 000 bis 60 000 Koinfektionen mit HCV und 25 000 bis 40 000 Koinfektionen mit HDV.

Die meisten Betroffenen stammen entweder aus Südosteuropa oder aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in Mittelasien, wie eine Untersuchung ergab (Z Gastroenterol 41, 2003, 523).

Für Migranten aus den genannten Ländern sei daher eine Untersuchung auf HCV und HDV besonders dringlich, sagte Wedemeyer auf einer Veranstaltung von Hoffmann-La Roche.

Bei Patienten mit Hepatitis B verschlechtert eine HCV-Koinfektion die Prognose. Als mögliche Ursachen dafür gelten ein schnelleres Fortschreiten der Leberfibrose und ein schlechteres Ansprechen auf die Interferon-Therapie. Beide Hypothesen werden durch mehrere Studien gestützt.

Erschwert wird die Therapie bei Hepatitis B und Koinfektion mit HCV durch die Tatsache, daß in der Mehrzahl der Infektionen einer der Virus-Typen dominiert und die Replikation des anderen Virus-Typs unterdrückt. Werden etwa die HCV eliminiert, kann es anschließend zu einer fulminanten Reaktivierung von HBV kommen.

Koinfizierte Patienten benötigen eine klare Therapieplanung

Um koinfizierte Patienten möglichst effizient zu behandeln, sind eine klare Therapieplanung und Spezialisten gefordert. Ein Kriterium für die Therapie sollte, so Wiedemeyers Empfehlung, eine histologisch nachgewiesene Fibrose sein.

Als Therapie steht bei dominierender HCV-Infektion die Kombination PEG-Interferon (etwa Pegasys®) plus Ribavirin (etwa Copegus®) zur Verfügung; diese Therapie wird auch bei alleiniger HCV-Infektion angewandt. Bei HBV-Dominanz und fortgeschrittener Fibrose werden Nukleosidanaloga eingesetzt.

Etwas anders sieht es bei Hepatitis D aus: Hepatitis-D-Viren benötigen zur Replikation die Hüllen von HBV, so daß HDV immer in Kombination mit einer HBV-Infektion auftritt. Diese Koinfektion führt bei 70 bis 90 Prozent der Betroffenen zu schweren chronischen Verläufen und ist damit die aggressivste bekannte Hepatitisform.

Im Gegensatz zur Hepatitis C existiert gegen Hepatitis-D-Viren bisher kein erfolgreiches Behandlungsschema. Antivirale Substanzen, die gegen HBV wirksam sind, zum Beispiel Lamivudin, sind bei HDV unwirksam. Interferon scheint einen gewissen Effekt auf HDV zu haben.

PEG-Interferon und Adefovir werden gegen HDV gerade in Studien geprüft. (miz / otc)

Lesen Sie dazu auch: Nukleotidanalogon bewährt sich in der Langzeittherapie von Hepatitis-B-Kranken

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