Bei Kopflausbefall stets Mehrfachbehandlung!

Kopflausbefall und Flohstiche gehören in Deutschland zu den häufigsten Ektoparasitosen. Nicht immer ist mangelnde Hygiene die Ursache für den Befall. Mädchen sind doppelt so häufig betroffen wie Jungen.

Dr. Ulrike MarondeVon Dr. Ulrike Maronde Veröffentlicht:
Kopfläuse werden direkt von Kopf zu Kopf übertragen.

Kopfläuse werden direkt von Kopf zu Kopf übertragen.

© Martin Z. / panthermedia

MÖLBIS. Kopfläuse (Pediculus humanus capitis) kommen in allen Altersgruppen und sozialen Schichten vor. Besonders häufig sind Kinder betroffen. Risikofaktoren sind enge räumliche Wohnverhältnisse oder schlechte hygienische Bedingungen. In der Regel werden diese Ektoparasiten durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt übertragen, selten über Bürsten, Mützen oder Polstermöbel. Nach Angaben von Professor Pietro Nenoff, niedergelassener Haut- und Laborarzt in Mölbis, und Kollegen sind Mädchen doppelt so häufig betroffen wie Jungen (CME 2010; 1:7). Es besteht jedoch kein Zusammenhang zwischen Kopflausbefall und Haarlänge.

Typisch für die Stichstelle: Hochrote urtikarielle Papeln

Typische Symptome bei Kopflausbefall sind Papeln, Juckreiz und Kratzreaktionen: An der Stichstelle bilden sich hochrote urtikarielle Papeln. Bei erstmaligem Befall dauert die Sensibilisierungsphase gegen die im Läusespeichel enthaltenen Fremdproteine etwa vier bis sechs Wochen. Bei erneutem Befall treten die Symptome meist schon innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf. Durch das juckreizbedingte Kratzen am behaarten Kopf oder bei starkem Befall auch an anderen behaarten Körperarealen kann es zu Exkorationen, Impetiginisation und Lymphknotenschwellungen kommen. Aufgrund des Kratzens besteht die Gefahr von nässenden Ekzemen und Sekundärinfektionen. Bei der Inspektion des Kopfes lassen sich meist nur die Nissen entdecken. Prädilektionsstellen sind der Bereich hinter den Ohren, die Schläfen und der Nacken. Differenzialdiagnosen sind eine Psoriasis capitis, seborrhoische Dermatitis der Kopfhaut, atopisches Kopf- und Nackenekzem und Tinea capitis. Haarsprayrückstände können einen Kopflausbefall vortäuschen.

Einmalbehandlung tötet nicht alle Läuse-Eier ab

Bei der Therapie kommt es darauf an, sowohl die Läuse als auch die Embryonen in den Nissen zu töten. Dabei hat sich nach Angaben der Autoren die systematische, vom Robert Koch-Institut empfohlene Vorgehensweise (wie in der Tabelle dargestellt; www.rki.de) bewährt. Dabei wird über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen mehrfach mit einem Insektizid behandelt und regelmäßig nass ausgekämmt. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass diese Mehrfachbehandlung wichtig ist, da mit dem Kopflausmittel häufig nicht sofort alle Eier getötet werden. Nach der Erstbehandlung können also durchaus noch Larven schlüpfen. Zeitaufwändig, aber notwendig ist es, die Haare mit einer Pflegespülung und dem Läusekamm nass auszukämmen.

Die Zulassung ist gesetzlich geregelt

Zur Behandlung gegen Kopfläuse sind mehrere Mittel auf dem Markt, darunter Allethrin (Jacutin® Pedicul Spray), Dimeticon (Jacutin® Pedicul Fluid, NYDA®), Permethrin (InfectoPedicul®), Pyrethrumextrakt (Goldgeist® forte), Kokosöl und -derivate (Aesculo® Gel L) und Sojaöl plus Kokosölderivate (mosquito® Läuseshampoo). §18 des Infektionsschutzgesetzes regelt, welche Präparate zur behördlich angeordneten Entwesung zugelassen sind.

Dimeticon ist kein Insektizid, die Substanz wirkt physikalisch: Sie verklebt die Atemöffnungen der Läuse, Larven und Nissen, sodass diese ersticken. Sie ist für alle Altersgruppen geeignet und kann auch in der Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden.

Führt die Therapie nicht zum Erfolg, ist dies in den meisten Fällen auf eine nicht adäquate Anwendung zurückzuführen. So tragen Patienten die Kopflausmittel zum Beispiel zu sparsam auf, lassen sie zu kurz einwirken oder verzichten auf die Mehrfachbehandlung.

Nicht generell empfohlen ist die prophylaktische Mitbehandlung von Kontaktpersonen. Jedoch wird bei Kindern mit Läusebefall geraten, auch die Geschwister wegen des engen Kontaktes mitzubehandeln.

Systematische Therapie gegen Kopfläuse
Ziel ist, sowohl die Läuse als auch die Embryonen in den Nissen zu töten
Tage Therapie
Tag 1 Behandlung mit einem Insektizid, nass auskämmen
Tag 5 nass auskämmen (um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind)
Tag 8, 9 oder 10 Behandlung mit einem Insektizid (um spät geschlüpfte Larven abzutöten)
Tag 13 nass auskämmen (zur Nachkontrolle)
Tag 17 eventuell erneut nass auskämmen
Quelle: nach RKI, 2008 - Tabelle: Ärzte Zeitung
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