Direkt zum Inhaltsbereich

Bei Nagelpilz ist oft Kombitherapie nötig

Veröffentlicht:

DRESDEN (ner). Bei Pilzinfektionen der Zehen- und Fingernägel (Onychomykosen) lohnt eine Familienanamnese. Denn es gibt eine genetische Disposition. Generell ist bei Nagelmykosen Geduld erforderlich. Die Behandlungen sind häufig langwierig und die Rezidivraten hoch. Oft sind lokal-systemische Kombitherapien unumgänglich.

Nagelmykose mit typischen gelblichen, krümeligen Nagelplatten.

Nagelmykose mit typischen gelblichen, krümeligen Nagelplatten.

© Foto: Effendy

Bei Patienten mit Nagelmykosen sollte wegen einer möglichen genetischen Disposition geklärt werden, ob etwa Eltern oder Geschwister auch betroffen sind. Weitere prädisponierende Faktoren sind Angiopathien, periphere Neuropathien, zu enge Schuhe, Fußfehlstellungen oder wiederholte Traumen, etwa beim Sport. Häufig sind auch Diabetiker oder Patienten mit anderen Stoffwechselstörungen betroffen.

Allein aufgrund eines verdächtigen klinischen Befundes sollte jedoch noch keine Behandlung begonnen werden. Denn erstens kann es sich auch einmal um eine isolierte Nagelpsoriasis, um Ekzemnägel oder einen Lichen ruber des Nagels handeln, so der Dermatologe Professor Claus Seebacher aus Dresden und seine Kollegen (JDDG 1, 2007, 61). Zweitens unterscheiden Hautärzte verschiedene Onychomykose-Formen. Das hat therapeutische Konsequenzen. "Ohne Pilzuntersuchung kann die Diagnose Onychomykose nicht mit hinreichender Sicherheit gestellt werden", betont die Expertengruppe um Seebacher in der aktualisierten Onychomykose-Leitlinie.

Aus Nagelmaterial wird eine Pilzkultur angesetzt

Grundsätzlich setzen Hautärzte mit Nagelmaterial eine Pilzkultur an - das Ergebnis lässt schon mal drei bis vier Wochen auf sich warten. Im Nativpräparat unter dem Mikroskop sind womöglich sofort Hyphen oder Sporen zu erkennen. Dazu wird das Untersuchungsmaterial auf einem Objektträger etwa mit Kalilauge versetzt und in einer feuchten Kammer ein bis zwei Stunden aufbewahrt.

Bringen Nativpräparat und Pilzkultur trotz dringenden Verdachts auf eine Pilzinfektion keine Ergebnisse, bleibt noch die histologische Untersuchung des veränderten Nagelmaterials. Diese sollte, um nicht zu viel Zeit zu verlieren, sofort veranlasst werden, wenn diagnostische Probleme absehbar sind. Zum Beispiel dann, wenn bereits mit antimykotischen Lacken behandelt worden ist. Die Lacke müssen bis zu vier Wochen abgesetzt werden, um nicht falsch negative Pilzkulturen zu riskieren - das gilt es übrigens auch bei der Kontrolluntersuchung nach Abschluss der Therapie zu beachten.

Die am häufigsten verbreitete Onychomykose-Form ist die distolaterale subunguale Onychomykose. Zunächst ist die umgebende Haut infiziert, von dort dringt der Pilz in die Unterseite der Nagelplatte ein und breitet sich von distal langsam nach proximal zur Matrix aus. So entsteht allmählich eine Hyperkeratose unter dem Nagel, weshalb sich die Nagelplatte abhebt und gelblich verfärbt.

Seltener ist die proximale subunguale Onychomykose. Dabei breitet sich der Pilz von der Haut des proximalen Nagelwalles aus, die Pilze wachsen in der Nagelplatte nach distal weiter. Bei anderen Onychomykosen-Formen wird die gesamte Nagelanatomie zerstört oder sind chronische Entzündungen des proximalen und lateralen Nagelwalles typisch mit Querrillen im Nagel und mit grün-bräunlichen Verfärbungen.

Die antimykotische Therapie erfolgt lokal mit Nagellacken wie Ciclopirox- oder Amorolfin-Nagellack und/oder systemisch. Grundsätzlich sollte die Therapie nach der Diagnostik gemeinsam von Haus- und Hautarzt erfolgen, sagte Seebacher zur "Ärzte Zeitung". Die topische Monotherapie ist nach Meinung der Experten allenfalls bei einem Befallsgrad von unter 50 Prozent der Nägel angezeigt und wenn nicht die Nagelmatrix befallen ist. Bei allen anderen Onychomykose-Formen sei eine systemische Therapie indiziert. Diese muss zum Teil bis zu zwölf Monate oder länger fortgeführt werden, bis alle Nägel gesund nachgewachsen sind.

Außer Dauerbehandlungen etwa mit Griseofulvin oder Terbinafin gibt es auch die Pulstherapie mit Itraconazol für eine Woche, gefolgt von einer dreiwöchigen Therapiepause. Dieses Therapieregime wird dreimal ausgeführt. Eine weitere Behandlungsoption ist Fluconazol, ein hefewirksames Präparat, das nur einmal pro Woche eingenommen werden muss. Die Auswahl der systemischen Antimykotika richtet sich nach dem nachgewiesenen Erreger.

Heilungsraten von unter 50 Prozent bei Monotherapie

Die schlechten Heilungsraten der Monotherapien, die teilweise deutlich unter 50 Prozent liegen, lassen die Kombinationstherapie meist unumgänglich erscheinen. Zur Kombination von topischer und systemischer Therapie kommt noch die atraumatische Nagelentfernung mit Kalium iodatum in Lanolin oder mit Urea in einer Salbengrundlage. Die Nagelentfernung wird von Seebacher und seinen Kollegen besonders bei subunguale Hyperkeratosen empfohlen. Die chirurgische Nagelentfernung wird nicht mehr praktiziert, weil sie schmerzhaft ist und zur Arbeitsunfähigkeit führt. Eine Alternative ist gegebenenfalls das Abtragen der Hyperkeratosen mit einer Fräse.

Zum Abschluss der Therapie sollte erneut eine Pilzkultur angelegt werden, um den Erfolg zu dokumentieren. Jedoch liegen die Rückfallquoten innerhalb von fünf Jahren zwischen 20 und über 50 Prozent. Das liegt auch daran, dass Pilze im Ruhezustand nicht von Antimykotika zerstört werden können. Solche Pilzelemente findet man in fast jedem positiven Nativpräparat.

STICHWORT

Onychomykose

Die chronische Pilzinfektion Onychomykose zerstört langsam die Nagelplatte der Finger- und Zehennägel. Spontanheilungen gibt es nicht. Ist ein Nagel befallen, kann die Infektion von dort aus streuen. Pilzinfektionen sind von Mensch zu Mensch übertragbar, meist über ein Zwischenmedium, etwa Fußböden von Schwimmbädern. (ner)

Schlagworte:
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Abb. 1: Schematische Wirkprinzipien verschiedener immuntherapeutischer Ansätze beim Multiplen Myelom

© Johnson & Johnson

Therapie des Multiplen Myeloms

Ebnet die Präzisionsmedizin den Weg zur funktionellen Heilung dieser Neoplasie?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss
Abb. 1: sPGA-Ansprechen über zwei Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Psoriasis-Therapie bei Kindern und Erwachsenen

PDE-4-Hemmer: erste orale Systemtherapie für Kinder − auch bei besonderen Manifestationen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?

Lesetipps
Kann sich Herpes zoster nach der Varizellen-Impfung entwickeln?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Kann sich Herpes zoster nach der Varizellen-Impfung entwickeln?