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Bei Sturzprophylaxe zählt Erfahrung

LEIPZIG (sir). Stürze älterer und demenzkranker Menschen lassen sich durch Screening-Instrumente nicht zuverlässig vorhersagen. Die individuelle Risikobewertung durch geschultes Pflegepersonal ist genauso aussagekräftig, aber weniger aufwändig, hat eine aktuelle Studie ergeben.

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Alte Frau mit Gehhilfe - Prophylaxe nach persönlicher Risikobewertung beugt Stürzen vor.

Alte Frau mit Gehhilfe - Prophylaxe nach persönlicher Risikobewertung beugt Stürzen vor.

© Foto: Bilderbox

Mindestens jeder zweite Bewohner eines Pflegeheims erleidet jährlich einen Sturz - eingeschränkte Mobilität, schlechtes Sehen und Demenz triggern dieses Risiko. Bei jedem zehnten Sturz entstehen behandlungspflichtige Verletzungen wie Hüftfrakturen.

Schon lange wird deshalb versucht, das Sturzrisiko jedes Heimbewohners einzuschätzen und zu minimieren. "Testinstrumente zur Vorhersage des individuellen Sturzrisikos bringen dabei keinen zusätzlichen Nutzen", so die Auffassung von des Pflegewissenschaftlers Dr. Sascha Köpke vom Uniklinikum Hamburg.

"Die Prognose aufgrund solcher Fragebögen, die vom Personal auszufüllen sind, ist nicht genauer als die einfache Einschätzung durch die Pflegekräfte", sagte Köpke auf dem Dementia Fair Congress in Leipzig. Auch das Bewusstsein des Personals für das Sturzrisiko werde durch die Bögen nicht erhöht.

Zum Beleg führte Köpke eine eigene prospektive Studie an, in welche Daten von mehr als 1100 über 70-jährigen Bewohnern von 58 Pflegeheimen eingingen. "Das Personal aller teilnehmenden Einrichtungen wurde zur Sturzprävention geschult", so Köpke. Die Hälfte aller Heime verwendete anschließend Instrumente wie die "Downton-Skala zur Ermittlung des Sturzrisikos".

Jeder zweite Heimbewohner fällt mindestens einmal im Jahr.

Die anderen 29 Heime arbeiteten ohne Assessmentbögen. Hier verordnete das Personal sturzpräventive Maßnahmen nur nach eigenem Ermessen. Die Ergebnisse waren verblüffend ähnlich: "In beiden Gruppen stürzten in elf Monaten jeweils 53 Prozent der Heimbewohner", sagte Köpke, "es waren jeweils gut 1 000 Stürze zu verzeichnen, das waren in beiden Gruppen durchschnittlich 1,8 Stürze pro Bewohner."

Auch die Verordnung neuer oder veränderter Gehhilfen, Fixierungen und Hüftprotektoren stimmte fast genau überein. "Die Zeit für die Screening-Bögen hätte man sich also sparen können", sagte Köpke.

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