Pädiatrie

Bei Wachstumshormonmangel ist der Blutzucker oft niedrig

HAMBURG (nke). Fünf verschiedene Formen von Wachstumsstörungen bessern sich durch die Therapie mit Wachstumshormon. Diese Möglichkeit ist in der Bevölkerung jedoch weitgehend unbekannt, wie eine Umfrage ergeben hat. Nur 23 Prozent der Befragten wissen, daß man gegen Kleinwuchs etwas tun kann. Experten beklagen, daß die Diagnose Kleinwuchs oft nicht frühzeitig gestellt wird.

Veröffentlicht: 13.02.2006, 08:00 Uhr

Das Symptom Kleinwuchs sollte bei den Vorsorgeuntersuchungen auffallen. Denn dabei werden die Kinder bis zum fünften Lebensjahr regelmäßig gemessen. Die Daten trägt der Pädiater in Normkurven des Vorsorgeheftes ein.

STICHWORT Aus dem Springer Lexikon Medizin

Somatropin

Somatropin ist das im Hypophysenvorderlappen gebildete Wachstumshormon. Es regt die DNA- und Eiweißsynthese an und hemmt die Fettsynthese. Die Sekretion wird auch durch körperliche Aktivität und Hypoglykämie angeregt. Viele Wirkungen sind ungeklärt, das Hormon ist für eine normale Körperentwicklung von Kindern notwendig. Minderproduktion im Kindesalter führt zu proportioniertem Zwergwuchs.

Ein verzögertes Wachstum sei darauf leicht zu erkennen, betonte Professor Rolf Peter Willig aus Hamburg. Trotzdem warteten Kinderärzte oft zu lange, bevor sie das Kind zur Abklärung der Ursachen an einen Spezialisten überweisen. Dadurch blieben möglicherweise wesentliche Jahre für eine Therapie mit Wachstumshormon ungenutzt.

Eine Ursache für Kleinwuchs ist ein Mangel an Wachstumshormon (Somatropin). Hierbei ist die Produktion des Hormons in der Hypophyse gestört. Nach Aussage von Willig wird bei etwa jedem achttausendsten Kind nicht ausreichend Wachstumshormon gebildet.

Bei einem ausgeprägten Wachstumshormonmangel ist der Blutzuckerspiegel bereits beim Neugeborenen deutlich erniedrigt, obwohl Gewicht und Größe bei der Geburt normal sind. Ein Wachstumsdefizit werde oft erst nach dem zweiten Lebensjahr bemerkt, erklärte der niedergelassene Kinder-Endokrinologe bei einer Pressekonferenz des "Forum Wachsen" in Hamburg.

Die Diagnostik zum Nachweis eines Wachstumshormonmangels sei aufwendig. Eine einzelne Blutprobe reiche hierfür nicht aus. Willig: "Wachstumshormon wird in der Nacht in einzelnen Spitzen ausgeschüttet, am Tag ist es im Blut kaum nachweisbar."

In standardisierten Tests wird die Ausschüttung des Hormons stimuliert, zum Beispiel durch körperliche Aktivität, mit der Aminosäure Arginin oder mit Insulin und in sieben seriellen Blutentnahmen gemessen. Erst wenn das Wachstumshormon in zwei dieser Tests einen Schwellenwert von 10 ng/ml nicht erreiche, dürfe mit Wachstumshormon behandelt werden, so Willig.

Das Hormon werde einmal täglich unter die Haut gespritzt. Bereits nach wenigen Monaten mache sich die Therapie deutlich bemerkbar. Wenn rechtzeitig mit der Behandlung begonnen werde, könnten die Kinder so groß werden, wie es ihren genetischen Vorgaben entspreche.

Außer dem Wachstumshormonmangel gibt es noch vier weitere Indikationen, für die das Somatropin zugelassen ist: Ulrich-Turner-Syndrom, Kleinwuchs bei Niereninsuffizienz, Prader-Willi-Syndrom und intrauterine Wachstumsverzögerung. Die jährlichen Behandlungskosten liegen bei etwa 18 000 Euro.



Forum zu Wachstumsstörungen

Das "Forum Wachsen" ist eine im Februar 2005 gegründete Arbeits- und Interessengemeinschaft von derzeit sechs pharmazeutischen Unternehmen: Ferring Arzneimittel, Ipsen, Lilly, Novo Nordisk, Pfizer und Serono. Wichtige Ziele des Forums sind die Qualitätssicherung in der Diagnostik und der Therapie bei Patienten mit hormonell bedingten Wachstumsstörungen sowie die Kooperation mit endokrinologischen Fachgesellschaften und mit Patientenorganisationen. Außerdem sollen durch die Arbeit des Forums die Bevölkerung - besonders die Eltern auffallend kleiner Kinder - für das Problem Wachstumsstörungen sensibilisiert werden. (wst)

Weitere Informationen unter: http://www.forumwachsen.de

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