Bei chronischer Hepatitis B sollte Therapie früh starten

BERLIN (gvg). Patienten mit chronischer Hepatitis B profitieren auch schon bei relativ geringen Viruskonzentrationen im Serum von einer Therapie. Der bisherige Grenzwert für eine Behandlung von 100 000 Viren pro ml wird zunehmend nach unten verschoben.

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"Die Viruskonzentration ist der wesentliche Parameter zur Beantwortung der Frage, wann Patienten mit chronischer Hepatitis B therapiert werden sollten", sagte Professor Alfredo Alberti von der Universität Padua in Italien. Anhand der Virusmenge lasse sich ablesen, ob sich die Viren gerade replizieren. In diesen Stadien sei eine antivirale Therapie besonders günstig, so Alberti auf einem von Bristol-Myers Squibb unterstützten Symposium bei der Europäischen Gastroenterologiewoche in Berlin.

Neue Empfehlungen von Hepatologen gingen deswegen zunehmend dahin, bei HBs-Antigen-negativen Patienten bereits mit einer antiviralen Therapie zu beginnen, wenn die HBV-DNA-Konzentration im Serum höher liegt als 10 000 Kopien pro ml Serum und Werte der Transaminase ALT (GPT) gering erhöht sind, sagte Alberti.

Bisher waren die Leitlinien in Europa und in den USA weniger forsch: Meist wird ein Grenzwert von 100 000 Kopien HBV-DNA und ein Anstieg des ALT-Wertes über das zweifache der oberen Normgrenze gefordert. Auch bei Patienten mit Leberzirrhose sind 10 000 Kopien HBV-DNA pro ml Serum nach Auffassung Albertis der bessere Grenzwert für einen Therapiebeginn als die bisher gültigen 100 000 Kopien.

Für einen frühen Therapiebeginn bei chronischer Hepatitis B sprechen die Ergebnisse der REVEAL-Studie aus Taiwan, so Alberti. In der Untersuchung mit knapp 4000 Hepatitis-B-Patienten war die Viruslast ein unabhängiger Risikofaktor für ein hepatozelluläres Karzinom. Von den Patienten mit HBV-DNA-Werten von im Mittel 10 000 bis 100 000 Kopien pro ml Serum bekamen innerhalb von zwölf Jahren etwa vier Prozent Leberkrebs. Bei Patienten mit Werten unter 10 000 Viruskopien pro ml war die Rate weniger als halb so hoch.



STICHWORT

Hepatitis B

Eine Infektion mit Hepatitis-B-Viren heilt bei 90 Prozent der Erkrankten innerhalb von sechs Monaten aus. Bei knapp zehn Prozent der Infizierten verläuft sie jedoch chronisch. Weltweit haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ungefähr zwei Milliarden Menschen eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht. Bei etwa 300 bis 420 Millionen Betroffenen ist die Erkrankung chronisch geworden.

In Deutschland sind bei ungefähr sieben Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das HBc-Antigen im Blut nachweisbar. Dies gilt als Merkmal einer abgelaufenen Infektion. Etwa 0,6 Prozent der Patienten haben eine chronische Hepatitis-B-Infektion. (eb)

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