Ernährung

Besser denken mit Kakao

Der Genuss von Kakaoflavonolen verbessert die kognitiven Leistungen – besonders bei älteren Personen mit beginnendem Gedächtnisabbau.

Veröffentlicht: 05.07.2017, 09:52 Uhr
Besser denken mit Kakao

Gesunde Schokolade: Wenn auch Dosis, Timing und Form der Flavonol-Intervention nicht wissenschaftlich gesichert sind – ein Stück dunkle Schokolade geht immer.

© Rob Stark/Fotolia

L'AQUILA. Über die gesundheitlichen Effekte von Kakaoflavonolen wird bereits viel Gutes berichtet: Blutdruck und LDL-Cholesterin werden gesenkt und die Gefäße geschützt. Die positiven Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem bewirken aber auch im Kopf etwas. Zu dem Schluss kam nun eine umfangreiche Literaturrecherche italienischer Forscher der Universität von L'Aquila. Sie verglichen dazu vornehmlich Studien, die sich mit den Kurz- und Langzeiteffekten von Kakaoflavonolen auf die kognitive Leistung beschäftigten.

Die einmalige Gabe einer Kakaozubereitung mit Flavonolgehalten zwischen 994 und 250 mg steigert ihrer Analyse zufolge kurzfristig die Leistung. Dies geschah in den Studien zwischen zehn Minuten und zwei Stunden nach der Aufnahme. Besonders deutlich war der Effekt bei jüngeren Probanden. Ihre kognitive Leistung sowie visuelle Informationsverarbeitung verbesserte sich signifikant. Die Autoren des aktuell im "Journal Frontiers of Nutrition" veröffentlichen Reviews (DOI: 10.3389/fnut.2017.00019) vermuten, dass dieser Effekt auf die indirekte Wirkung von Flavonolen auf das Herz-Kreislaufsystem zurückzuführen ist.

Kakaoflavonole können auf zweierlei Wegen ihre Wirkung entfalten. Zum einen direkt im Hippocampus, in dem sie durch Interaktion mit Proteinen der zellulären Signalwege das synaptische Wachstum anregen. Indirekt führt der positive Effekt auf das Herz-Kreislaufsystem zudem zu einer Erhöhung des zerebralen Blutvolumens im Hippocampus und dadurch zu einer verbesserten Gedächtnisleistung.

Auch die langfristige Gabe (bis zu acht Wochen) von Kakaoflavonolen in einer Dosis zwischen 250 und 900 mg, bewirkte Leistungssteigerungen. Die Probanden waren aufmerksamer, konnten Informationen besser verarbeiten und sprachen flüssiger. Dieser Effekt war aber nur bei Personen ab 40 Jahren mit kognitiven Beeinträchtigungen sichtbar. In einer Studie mit gesunden Probanden blieb die kognitive Leistung nach langfristiger Flavonolaufnahme dagegen auf dem anfänglichen Level. Für die Studienautoren Valentina Socci und Michele Ferrara ein überraschendes und zugleich das vielversprechendste Resultat: "Dieses Ergebnis deutet auf das Potenzial von Kakaoflavonolen hin, die kognitive Leistung anfälliger Populationen zu schützen."

Kurzfristig zeigte sich noch ein ganz anderer Effekt: Gerade wenn der Kopf einer hohen Belastung ausgesetzt ist, könnten Kakaoflavonole förderlich sein. Das erwies eine Untersuchung von Frauen, die eine Nacht Schlafentzug hatten. Schlaflosigkeit oder ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus beeinträchtigen bekanntlich kardiovaskuläre und kognitive Funktionen. In der Studie konnte dieser Beeinträchtigung jedoch durch die Flavonolgabe entgegengewirkt werden.

Durchaus gute Ergebnisse also, die Kakaoflavonole als Nahrungsergänzungsmittel für einzelne Personengruppen in Erwägung ziehen. "Eine reguläre Aufnahme von Kakao könnte sich langfristig positiv auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken", so das Fazit der Autoren zu ihrem Review. Über die geeignete Dosis, das Timing und die Form der Flavonol-Intervention müsse aber noch diskutiert werden. Unabhängig davon setzen die Autoren ihre Ergebnisse einfach schon mal in die Praxis um: "Dunkle Schokolade ist reich an Flavanolen, also essen wir immer etwas dunkle Schokolade, jeden Tag." (vag)

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