Diabetes

Bessere Therapie, aber längst nicht optimal

Heute erreichen mehr Diabetiker die Therapieziele als noch vor zehn Jahren. Von der bestmöglichen Behandlung ist man in der Praxis aber immer noch weit entfernt.

Von Peter OverbeckPeter Overbeck Veröffentlicht: 27.03.2013, 06:05 Uhr
Blutabnahme: Leitlinien zur Einstellung von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker von Patienten von Typ-2-Diabetes werden in vielen Hausarztpraxen gut umgesetzt.

Blutabnahme: Leitlinien zur Einstellung von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker von Patienten von Typ-2-Diabetes werden in vielen Hausarztpraxen gut umgesetzt.

© Klaro

NEU-ISENBURG. In der Behandlung von Patienten mit Diabetes ist die Normalisierung der Blutzuckerwerte zumeist nicht das einzige zu lösende Problem.

Auch bei Risikofaktoren wie erhöhten Blutdruck- und Lipidwerten besteht in der Regel Korrekturbedarf. Fachgesellschaften haben dafür spezielle Zielvorgaben formuliert.

Vor allem im Hinblick auf die antiglykämische Therapie hat sich inzwischen aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein starrer HbA1c-Zielwert für alle Diabetiker der falsche Weg ist. Individualisierung der Therapieziele ist angesagt.

US-Forscher haben jetzt untersucht, ob in der Behandlung von Diabetes-Patienten im Praxisalltag in jüngster Zeit Fortschritte zu verzeichnen sind.

Als Qualitätsmaßstab dienten ihnen dabei die von der American Diabetes Association (ADA) empfohlenen Zielwerte für Blutzucker (HbA1c unter 7 Prozent), Blutdruck (unter 130/80 mmHg) und den LDL-Cholesterinspiegel (unter 100 mg/dl).

Basis der Analyse bildeten Daten von 4926 Teilnehmern der Bevölkerungsstudie NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey), die als Erkrankung Diabetes angegeben hatten. Die Daten waren zwischen 1988 und 2010 in vier Zeitabschnitten erhoben worden (Diab Care 2013, online 15. Februar).

Noch viel Raum für Verbesserungen

Ziel der NHANES-Studie ist es, den Gesundheits- und Ernährungszustand der US-Bevölkerung und dessen Veränderungen über die Zeit hinweg zu dokumentieren. Dies geschieht durch eine Kombination aus Patientengespräch und körperlicher Untersuchung.

Im jüngsten Erhebungszeitraum (2007 bis 2010) erreichten immerhin 52,5 Prozent aller Diabetiker einen HbA1c-Wert von unter 7 Prozent - gegenüber der ersten Erhebung (1988 bis 1994), die einen Anteil von 43 Prozent ergab, eine signifikante Verbesserung.

Beim Blutdruck und beim LDL-Cholesterin betrug der Anteil der Patienten mit leitliniengerechter Einstellung 51,1 Prozent und 56,2 Prozent. Auch diese Zahlen sind Ausdruck einer deutlich verbesserten Behandlungsqualität.

So hatte etwa der Anteil der Diabetiker, deren LDL-Cholesterin im empfohlenen Zielbereich lag, initial nur 9,9 Prozent betragen. Die Rate der mit Statinen behandelten Diabetiker stieg von 4,2 auf 51,4 Prozent.

Der Wermuttropfen: Als man nachschaute, wie viele Diabetiker bei allen drei Parametern die Zielwerte erreichten, kam man nur auf eine sehr bescheidene Quote von 18,8 Prozent.

Somit gibt es noch großen Spielraum für weitere Verbesserungen, um die Morbidität und Mortalität bei Diabetikern noch effektiver zu verringern, konstatiert die Forschergruppe um Dr. Sarah Stark Casagrande aus Silver Spring im US-Staat Maryland.

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