Kontrollierte Studie

Biofeedback hilft nicht allen Rückenschmerz-Patienten

Biofeedback scheint manchen Patienten mit Rückenschmerzen zu helfen. Doch viele Fragen sind noch offen.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

München. Biofeedback hat bei Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen einen günstigen Einfluss auf die Schmerzintensität, auf psychologische Faktoren sowie serologische Stressmarker. Das berichten Schmerztherapeuten von der LMU München unter Verweis auf eine eigene kontrollierte Studie.

Deutlich wird aber auch: Unklar ist, welche Messwerte am besten geeignet sind, um den Therapieeffekt zu objektivieren, welche Patienten am meisten profitieren und wie Biofeedbackverfahren in das multimodale Behandlungsregime einzuordnen sind.

Julia Eichler von der Interdisziplinären Schmerzambulanz und Tagesklinik Großhadern und ihre Kollegen verglichen in ihrer Studie die Effektivität von Biofeedback bei zehn Patienten mit chronischen nichtspezifischen Rückenschmerzen, die im Mittel seit über sechs Jahren bestanden, im Vergleich mit zehn gesunden Probanden (Schmerz 2019; 33(6): 359-348).

Sitzungen in reizarmer Umgebung

Überwiegend handelte es sich um Frauen, der Altersdurchschnitt lag bei 40 bis 45 Jahren. Insgesamt nahmen die Studienteilnehmer sieben Termine innerhalb von 14 Tagen wahr.

Die 22-minütigen Sitzungen in reizarmer Umgebung und in einem individuell verstellbaren Komfortstuhl bestanden aus vier Abschnitten, begleitet von Entspannungsmusik – dabei wurden mit Sensoren diverse Parameter wie Hautleitwert, Hauttemperatur, Puls- und Atemfrequenz sowie elektrische Muskelaktivität (EMG) bestimmt:

  • 5-minütiges Video eines Sonnenuntergangs, wobei sich die Patienten in die Situation hineinversetzen sollten,
  • 4-minütige Atemübungen,
  • 3-minütige Übung, bei der eine abgebildete Seerosenblüte durch Anspannung der Schultermuskulatur geschlossen und durch Muskelentspannung wieder vollständig geöffnet werden sollte,
  • Vorlesen eines 10-minütigen Textes durch den Therapeuten mit der Aufforderung, auf die Atmung zu achten und anschließend ausgewählte Körperregionen maximal anzuspannen und danach wieder zu entspannen.

Bei allen Teilnehmern hatten die Wissenschaftler psychometrische Tests und Schmerzmessungen vorgenommen sowie Stressparameter im Blut bestimmt.

Abnahme der Schmerzintensität

Innerhalb der Studienzeit nahm die Schmerzintensität signifikant ab, Wohlbefinden, das Ausmaß an depressiver Verstimmung sowie schmerzbedingte Behinderungen besserten sich. Diese Ergebnisse korrelierten mit der Verminderung der Noradrenalin- und MMP (Matrixmetalloproteinase)-2-Spiegel im Blut, für den Stressmarker Kortisol fanden sich keine Veränderungen.

Eichler und ihre Kollegen vermuten auch auf Grundlage anderer Studien, dass nicht alle Patienten von der verhaltenstherapeutischen Methode Biofeedback profitieren. „Vermutlich könnte es für diejenigen hilfreich sein, die sich unter einer konventionellen Verhaltenstherapie nicht adäquat entspannen können.“

Unklar sei, wie lange die Wirkungen anhalten. Portable Geräte und Smartphone-Apps könnten es künftig erlauben, im Anschluss an die Primärbehandlung zu Hause weiter zu üben.

Insgesamt schätzen die Autoren die Datenlage zu Biofeedback als unzureichend ein. Die Nationale Versorgungsleitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ enthält keine Empfehlung für Biofeedback, gesetzliche Krankenkassen erstatten die Therapiekosten nicht.

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