Depressionen

Bluttest sagt Wirkung von Antidepressiva vorher

Veröffentlicht:

HANNOVER. Forscher fanden den ersten epigenetischen Marker, der das Therapie-Ansprechen bei Depressionen prognostiziert. Damit ließe sich der Effekt von Antidepressiva per Bluttest vorab klären, teilt die Medizinische Hochschule Hannover mit.

Der entdeckte Gen-Abschnitt ist für die Bildung des Wachstums-Proteins "Brain-derived-neurotrophic-factor" (BDNF) zuständig. Ist dort keine Methyl-Gruppe angehängt, wirken Antidepressiva nicht.

Bei Patienten, denen ein Antidepressivum hilft, war das BDNF zudem nach einer Woche gestiegen (Molecular Psychiatry 2013, online 14. Mai).

Die Forscher fanden, dass bei bei einigen Patienten an dem für die Bildung von BNDF zuständige Gen eine Methyl-Gruppe vorhanden war. Bei Patienten ohne diese "Methylierung" stieg die BDNF-Konzentration im Blut trotz Einnahme eines Antidepressivums nicht an und das Antidepressivum wirkte nicht.

Etwa jedem vierten Depressiven nützt kein Antidepressivum

"Diese Methyl-Gruppe entscheidet, ob das Gen abgelesen wird oder nicht - dieser so genannte epigenetische Mechanismus reguliert die Genaktivität", so Professor Dr. Helge Frieling, Oberarzt der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie in der Mitteilung.

"Bevor der Marker routinemäßig für Patienten eingesetzt werden kann, müssen die Ergebnisse in unabhängigen Patientengruppen bestätigt werden", so Privatdozent Dr. André Tadic, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

Bei den Patienten, deren BDNF-Gen methyliert war, lag die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen ein Antidepressivum hilft, bei 60 Prozent. "Ob die Wirkung von der Art des Antidepressivums abhängt, werden wir in einer Folgestudie genauer untersuchen", sagt Professor Frieling.

Zudem arbeiten die Forscher daran, weitere epigenetische Biomarker zu finden, um die Vorhersage des Therapieerfolgs für den einzelnen Patienten zu präzisieren.

Rund einem Drittel der an Depression Erkrankten hilft das erste Antidepressivum, das sie einnehmen. Bei jedem weiteren Präparat sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es helfen kann. Etwa einem Viertel aller Depressiven nützt kein Antidepressivum. (eb)

Mehr zum Thema

Daten aus Hausarztpraxen

Die Risikofaktoren für Demenz

„ÄrzteTag“-Podcast

Was Haare über den Effekt von mentalem Training aussagen

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci (SPD, v.l.), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Benjamin Strasser (FDP), Ansgar Heveling (CDU) und Kathrin Vogler (Linke) stellen im Haus der Bundespressekonferenz einen Gesetzentwurf zur Suizidbeihilfe vor.

© Wolfgang Kumm/dpa

Fraktionsübergreifend

Neuer Gesetzentwurf zur Sterbehilfe präsentiert

Die Vakzine ComirnatyTextbaustein: Sonderzeichen/war von den Unternehmen BioNTech und Pfizer.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Studien-Splitter

Dritte Corona-Impfdosis essenziell gegen Omikron