Direkt zum Inhaltsbereich

Botulinumtoxin A lindert chronische Migräne

Etwa 0,4 bis 0,9 Prozent der Bevölkerung leidet unter chronischer Migräne. Für diese Patienten, die von Kopfschmerz-Experten betreut werden sollten, hat sich Botulinumtoxin A in Studien als gut wirksam erwiesen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Botulinumtoxin-A-Injektionen könnten bei Migräne bald eine zugelassene Option sein.

Botulinumtoxin-A-Injektionen könnten bei Migräne bald eine zugelassene Option sein.

© Christoph Hähnel / fotolia.com

FRANKFURT AM MAIN. Vor einem Missbrauch der Diagnose "chronische Migräne", um eine Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin vorzunehmen, hat der Neurologe Professor Wolfgang Jost aus Wiesbaden bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie in Frankfurt am Main gewarnt.

Noch in diesem Jahr wird in Deutschland die Zulassung von Botulinumtoxin A (BTX-A) zur Therapie bei chronischer Migräne erwartet. Bisher handelt es sich noch um einen Off-Label-Use.

Doch schon jetzt kämen in solchen Fällen Rückfragen der Kostenträger zum konkreten Injektionsschema, so der Neurologe. Dieses Injektionsschema sei durch die Zulassungsstudien vorgegeben.

Nur 0,4 bis 0,9 Prozent der Bevölkerung leiden an chronischer Migräne

Jost wies darauf hin, dass die erst seit 2004 bestehende Klassifikation "chronische Migräne" bei strenger Definition lediglich 0,4 bis 0,9 Prozent der Bevölkerung betreffe. Gemeint sind damit nach seinen Angaben Attacken, die mindestens acht Tage anhalten, wobei über mindestens 50 Prozent der Zeit die Kopfschmerzen bestehen.

Zwar reduziere bei diesen Patienten BTX-A die Zahl der Migränetage sowie die Tage mit mittelschwerer und schwerer Migräne etwas. Die Behandlung müsse allerdings in ein multidisziplinäres Therapiekonzept eingebettet sein. Daher sollten nur Kopfschmerz-Spezialisten BTX-A anwenden.

Geplant ist, für dieses Patientenklientel in Deutschland sogenannte Centers of Excellence einzurichten, an denen entsprechende Erfahrungen mit chronischer Migräne vorliegen.

Dauer des Kopfschmerzes reduziert

In den beiden Zulassungsstudien PREEMPT I und II waren knapp 1400 Patienten mit chronischer Migräne alle zwölf Wochen mit Botulinumtoxin-A-Injektionen oder mit Placebo-Injektionen an 31 definierten Punkten im Bereich von sieben Kopf- und Nackenmuskeln behandelt worden.

Je Punkt erhielten die Patienten der Verumgruppe fünf Einheiten des Medikaments. Innerhalb von 24 Wochen war die Zahl der Migränetage in der Verumgruppe um etwa acht Tage, in der Placebo-Gruppe um etwa sechs Tage pro Monat gesunken, die Dauer der Kopfschmerzen wurde um 120 und 80 Stunden reduziert.

*PREEMPT: Phase III REsearch Evaluating Migraine Prophylaxis Therapy ( Cephalalgia 2010; 30: 793 , Cephalalgia 2010; 30: 804, Headache 2010; 50: 921)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Fußballfans im Stadion jubeln.

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht