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Chronisch entzündliche Erkrankungen nagen am Knochen

Chronische Entzündungen fördern die Entstehung einer Osteoporose. Dafür gibt es immer mehr Hinweise. Als mögliche Ursache sind proinflammatorische Zytokine ins Visier der Forscher geraten.

Von Werner Stingl Veröffentlicht:
Der Zusammenhang zwischen Immunsystem und Osteoporose könnte künftig neue therapeutische Perspektiven eröffnen.

Der Zusammenhang zwischen Immunsystem und Osteoporose könnte künftig neue therapeutische Perspektiven eröffnen.

© Radu Razvan / fotolia.com

FÜRTH. Störungen des Immunsystems und Osteoporose sind stärker miteinander verknüpft als noch vor wenigen Jahren gedacht. Die sogenannte Osteoimmunologie soll als neues interdisziplinäres Forschungsfeld mehr Einblick in diese Wechselwirkungen geben und neue therapeutische Perspektiven eröffnen.

Zahlreiche entzündliche Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, systemischer Lupus erythematodes oder Morbus Crohn gehen langfristig mit einem deutlich erhöhten Osteoporose-Risiko einher.

 Darauf hat Kongresspräsident Professor Georg Schett vom Universitätsklinikum Erlangen beim DVO-Kongress Osteologie 2011 in Fürth hingewiesen. Zum Teil dürften dabei gegen die genannten Krankheiten eingesetzte, bekanntermaßen osteoporosefördernde Medikamente wie Glukokortikoide eine Rolle spielen.

 Doch weit stärker als bis vor wenigen Jahren gedacht tragen auch von solchen iatrogenen Nebenwirkungen unabhängige Mechanismen zum Knochenabbau bei chronisch entzündlichen Erkrankungen bei.

Ein Zusammenhang lässt sich sogar schon ohne erkennbare manifeste Grunderkrankung bei lediglich leicht erhöhten Werten des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) erkennen.

 So zeigten etwa im Jahre 2006 von Schett und Mitarbeitern veröffentlichte Ergebnisse der Bruneck-Studie Menschen mit einem CRP zwischen 1,09 und 2,52 mg/l ein 2,6-fach höheres Risiko für osteoporotische Knochenbrüche als Alters- und Geschlechtsgenossen mit einem CRP von unter 1,09 mg/l.

Und: Bei Menschen mit einem CRP von über 2,52 mg/l war im Vergleich zur Referenzgruppe das nicht traumatisch bedingte Frakturrisiko sogar um das Achtfache gesteigert.

Auf die Frage, wie chronische Entzündungen die Entstehung einer Osteoporose fördern, geriet inzwischen eine Reihe proinflammatorischer Zytokine ins Visier der Forscher.

So liegen bereits experimentelle Befunde vor, wonach etwa TNF-alfa oder die Interleukine IL 1 beta, IL 6 und IL 17 direkt oder indirekt - unter anderem über eine Absenkung von Osteoprotegerin beziehungsweise eine Zunahme des RANK-Liganden - Osteoklasten und damit den Abbau von Knochen stimulieren.

Um das nicht nur auf Osteoporose beschränkte komplexe Geschehen zwischen Knochen und Immunsystem zu erhellen und damit ein besseres Verständnis für zahlreiche Krankheiten sowie dagegen gerichtete Therapien zu gewinnen, wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft das von Schetts Abteilung in Erlangen koordinierte interdisziplinäre Schwerpunktprogramm "Osteoimmunologie" ins Leben gerufen.

Weitere Informationen hierzu unter: www.immunobone.de

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