Riechstörung

Das Phantom in der Nase

Es gibt Menschen, die riechen üble Gerüche, obwohl keine da sind. Diese Phantosmie kommt bei Patienten mit bestimmten Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen häufiger vor als bei Gesunden, haben US-Forscher herausgefunden.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Mir stinkt`s: Schlaganfall-Patienten haben laut US-Wissenschaflter eine um 76 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Phantosmie.

Mir stinkt`s: Schlaganfall-Patienten haben laut US-Wissenschaflter eine um 76 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Phantosmie.

© olly / stock.adobe.com

BETHESDA. Nach den Ursachen von Riechstörungen, bei denen üble Gerüche oder Brandgeruch wahrgenommen werden, die nur im Kopf des Betroffenen existieren, wird seit langem gefahndet.

Immerhin wird die Prävalenz dieses Phänomens unter erwachsenen US-Bürgern auf 6,5 Prozent geschätzt. Jetzt sind Kathleen Bainbridge und Danita Byrd-Clark vom National Institute on Deafness and Other Communication Disorders in Bethesda auf einige Anhaltspunkte gestoßen (Laryngoscope 2019; online 25. März).

Basierend auf der Vermutung, dass die Wahrnehmung von Phantomgerüchen im Zusammenhang mit dem Gefäßrisiko älterer Erwachsener steht, haben die Forscherinnen Daten einer Querschnittstudie (National Health and Nutrition Examination Survey) bei 7417 Personen ab 40 Jahren ausgewertet.

Die Teilnehmer hatten unter anderem Fragen zu ihrer Gefäßgesundheit einschließlich aufgetretenen Schlaganfällen beantwortet. Außerdem wurden das Gesamtcholesterin, der HbA1c-Wert sowie der Blutdruck bestimmt.

Höheres Risiko bei Herzkranken

Insgesamt 13 Prozent der Studienteilnehmer, die ihren Gesundheitszustand als angemessen oder schlecht bewerteten, gaben an, Phantomgerüche wahrzunehmen.

Damit war das Phänomen in dieser Gruppe mehr als doppelt so häufig anzutreffen wie bei Personen, die ihre Gesundheit als gut, sehr gut oder ausgezeichnet bewerteten.

Bei Personen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, zeigte sich eine um 76 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Phantosmie. In der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen war die Herzinsuffizienz mit dem dreifachen und bei Menschen ab 60 Jahren die Angina mit einem 2,8-fachen Risiko für die Riechstörung assoziiert.

Auch behandelte Patienten mit Hypercholesterinämie gaben doppelt so häufig Phantomgerüche zu Protokoll wie Personen mit Cholesterinwerten im Normbereich.

Das gleiche Ergebnis fanden die Forscherinnen bei Hypertonikern unter Therapie (+68 Prozent vs. Normotonikern).

US-Studie

  • Schlaganfall-Patienten haben eine um 76 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Phantosmie.
  • Behandelte Patienten mit Hypercholesterinämie gaben doppelt so häufig Phantomgerüche zu Protokoll wie Personen mit Cholesterinwerten im Normbereich.

Bei den Diabetikern waren die olfaktorischen Halluzinationen nur in einer speziellen Therapiegruppe erkennbar: Patienten ab 60 Jahren, die sowohl mit Insulin als auch mit oralen Antidiabetika behandelt wurden, nahmen die eingebildeten Gerüche dreimal häufiger wahr als Nichtdiabetiker oder Diabetiker, die nur mit Insulin therapiert wurden.

So scheinen nicht nur Schlaganfall, Angina und Herzinsuffizienz im Zusammenhang mit der Wahrnehmung von Phantomgerüchen zu stehen, auch medikamentöse Therapien zur Kontrolle von Diabetes, Hyperlipidämie und Hypertonie nehmen offenbar Einfluss auf die Geruchswahrnehmung.

Mehr zum Thema

Antibiotic Stewardship

So lassen sich Antibiotika-Verordnungen im Praxisalltag reduzieren

Das könnte Sie auch interessieren
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Person mit weißer Pille in der rechten Hand und Glas Wasser in der linken Hand

© fizkes - stock.adobe.com

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs