Osteoporose-Leitlinien

Das sind die fünf wichtigsten Änderungen

Die DVO-Leitlinie zu Osteoporose ist überarbeitet worden. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat die wichtigsten Änderungen zusammengestellt.

Veröffentlicht:

BOCHUM. Im November wurde die Neufassung der Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose veröffentlicht.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hat jetzt die wichtigsten Änderungen im Vergleich zur alten DVO-Leitlinie von 2009 zusammengestellt:

Primärprophylaxe:

- Die regelmäßige körperliche Aktivität soll (neu:) "risikobewusst und dem körperlichen Zustand angepasst" sein.

- Calciumzufuhr: 1000 bis maximal 2000 (früher 1500) mg, mit Ausnahmen wie etwa bei primärem Hyperparathyreoidismus, Nierensteinen und aktiven granulomatösen Erkrankungen wie der Sarkoidose.

- Sonnenlichtexposition: optimales Ausmaß "unklar" (früher: mindestens 30 min täglich).

- Vitamin D: bei hohem Sturz-/ Frakturrisiko tägliche orale Supplemente von 800-1000 IE.

Indikation zur Basisdiagnostik:

- Weiterhin ein 10-Jahres-Frakturrisiko über 20 Prozent für Wirbelkörper- und Hüftfrakturen.

- Zusätzlich weitere Risikofaktoren wie Diabetes mellitus Typ 2, COPD, Herzinsuffizienz, Zöliakie, Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz und Spondylosis ankylosans.

Indikation für medikamentöse Therapie:

- Weiterhin abhängig von Alter, Geschlecht, T-Score der Knochendichte und klinischen Frakturrisikofaktoren. Neu: bei oraler höherdosierter Glukokortikoidtherapie länger als 3 Monate, individuell auch bei T-Score über -1.5.

Auch bei niedrigtraumatischen proximalen Femurfrakturen und niedrigtraumatischen singulären Wirbelkörperfrakturen 2. oder 3. Grades oder multiplen Wirbelkörperfrakturen 1. bis 3. Grades individuell auch bei einem T-Score über -2.0, wenn andere Ursachen für diese Frakturen nicht wahrscheinlich sind.

Medikamentöse Therapie:

- Weiterhin Basistherapie mit 1000 mg Calcium/Tag, sonst Supplementierung 800-1000 IE Vitamin D3 oral. Neu: "Besonders wichtig bei antiresorptiver Therapie (Hypocalcämie-Risiko)".

Spezifische Therapie der postmenopausalen Osteoporose:

- Alendronat, (neu:) Bazedoxifen, (neu:) Denosumab, Ibandronat, Östrogene, Raloxifen, Risedronat, Strontiumranelat, Teriparatid, Zoledronat.

Die Obergrenze der Calciumzufuhr sei damit von 1500 auf 2000 mg täglich angehoben worden, mit Ausnahmen von Störungen der Calciumregulation (siehe oben), kommentiert DGE-Sprecher Helmut Schatz aus Bochum.

Die neue Fassung 2014 enthalte nicht mehr eine differenzierte Empfehlung zur Vitamin D-Substitution wie etwa das Ziel eines Serumspiegels über 20 mg/dl (über 50 mmol/L).

Auch sei die Sonnenlichtexposition nicht mehr mit mehr als 30 min/Tag angegeben worden.

Das 10-Jahres-Frakturrisiko über 20 Prozent sei als Indikator zur Basisdiagnostik gleich geblieben, nachdem man auch ein 1-Jahresrisiko angedacht habe, so Schatz.

Und die Risikoabschätzung sei um internistische Momente wie etwa Diabetes mellitus Typ 2, Herzinsuffizienz, Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, COPD oder auch Spondylitis ankylosans erweitert worden.

Zu einer Differenzialtherapie finden sich in der neuen Leitlinie mangels head-to-head Vergleichen keine Angaben, mit Ausnahme von Teriparatid und Risedronat bei Hochrisikopatienten, merkt Schatz weiter an.

Bei diesen sei die Inzidenz von Wirbelkörperfrakturen mit Teriparatid signifikant niedriger gewesen als mit Risedronat (4 vs. 9 Prozent, p=0.01).

Insgesamt könne nach der neuen Osteoporose-Leitlinie etwas individueller behandelt werden, berichtet Schatz. Eine Therapieindikation könne so im Einzelfall bei bestimmten Frakturen auch b ei T-Scores >/= -2.0 erfolgen. (eb)

Die Neufassung 2014 der DVO-Leitlinie zur Osteoporose liegt als Kitteltaschenversion, Kurz- und Langfassung sowie als Methodenreport vor. Details zu Prävention, Diagnostik und Therapie können im Internet nachgesehen werden. http://www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/osteoporose-leitlinie-2014

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 02.01.201515:41 Uhr

in Milchprodukten (am besten entrahmt) ist auch Phosphat enthalten.

Also besser als "Kalziumquelle".
Auf Vit.D-Substitution kann man dagegen nicht verzichten und ein Dr. sollte das mit Labor rechtfertigen.

Dr. Wolfgang P. Bayerl 02.01.201515:34 Uhr

Hallo, Frau @Dr. Renate Bodem Arteriosklerose ist eine etwas missversträndliche Bezeichnung für einen Entzündungsvorgang!

Nur ein wirklich pathologischer Calziumspiegel, der immer eine (hormonelle) Regulationsstörung voraussetzt, kann Gefäße schädigen.
Diese sind ausdrücklich erwähnt (Hyperparathyreoidismuss).
Da zur Knochenmineralisation auch noch das Phophat gehört, das merkwürdigerweise immer vergessen wird,
führt z.B. eine Niereninsuffizienz mit verminderter Phophatausscheidung auch zur Störung des Kalziumstoffwechsels,
und ebenfalls in höherem Alter wichtig,
wenn Menschen sich weniger bewegen, weniger essen, vielleicht sogar abnehmen, aber (empfohlene) hohe Calzium-Substitution betreiben, weil sie Osteoporose haben,
kann wegen Phosphatmangel (in der Ernährung) genau das Gegenteil passieren,
nämlich wegen dem Calziumüberangebot eine VERSTÄRKUNG der Osteoporose.
Wichtiger ist imho die Vit.-D-Substitution, immer noch etwas zu schüchtern,
vermutlich wegen der Rücksichtnahme auf die industriegebundene DGE, die uns immer noch einreden möchte,
bitte gar nichts substituieren, nur futtern, so wie die es sich vorstellen.

mfG

Dr. Renate Bodem 02.01.201514:35 Uhr

Sehr geehrte Leser und Leserinnen!--Alls Gute jedem für das neue Jahr!

ich bin im moment sehr verunsichert über die Mitteiling den täglichen Bedarf an Calcium so hoch anzusetzen. bereits vor etwa 5 jahren hat Professor Erland Erdmann-- Köln--weltweit propagiert die Tagesdosis nicht über 600 mg an zugeben,wegen einer nicht überschaubaren Gefahr der Atherosklerose besonders der Coronararterien.Über eine erklärende Mitteilung würde ich sehr froh sein. Hoffentlich bekomme ich eine Nachricht. Einen Gruß aus Köln von Renate Bodem.

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