Experimentelle Studie

Depression durch Zytokin IL-6 ausgelöst?

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DÜSSELDORF / ESSEN. Seit längerem wird vermutet, dass Zytokine an der Entstehung depressiver Störungen beteiligt sein könnten. Einen experimentellen Beleg dafür haben nun Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) gefunden, wie die UDE mitteilt.

In einer interdisziplinären Studie konnten Professor Harald Engler und Professor Manfred Schedlowski vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Uniklinikum Essen beim Menschen zeigen, dass im Verlauf einer akuten Entzündung die Konzentration des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6) nicht nur im Blut, sondern auch deutlich im Liquor steigt (Mol Psychiatry. 2017; 31. Januar). Der Anstieg von IL-6 im Liquor hing dabei signifikant mit den von den Probanden berichteten depressiven Anzeichen zusammen: Nahm die Konzentration zu, verstärkten sich auch die Symptome.

Die Forscher vermuten nun, dass IL-6 über die Blutbahn das Gehirn erreichen und hier durch die Modulation neuronaler Prozesse eine Depression bewirken könnte, heißt es in der Mitteilung. Auch wenn weiterführende Untersuchungen noch die genauen Transportmechanismen identifizieren müssten, über die IL-6 ins Gehirn gelangt, weisen diese Befunde auf neue Möglichkeiten hin, depressive Störungen zu behandeln. So ließe sich zum Beispiel dieser Botenstoff gezielt blockieren.

An der Studie waren elf Forscher der Kliniken für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Neurochirurgie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie beteiligt. (eb)

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