Direkt zum Inhaltsbereich

Online-Training

Depressive Verstimmung? Ab ins Internet!

Ein Online-Training zur Prävention von Depressionen hat sich in einer Studie bewährt. Das niederschwellige Angebot für Menschen mit depressiven Verstimmungen wird in Deutschland bereits von der Krankenkasse Barmer GEK angeboten.

Veröffentlicht:
Die antidepressive Prävention via Online-Training dauert sechs Wochen.

Die antidepressive Prävention via Online-Training dauert sechs Wochen.

© contrastwerkstatt / Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Gefährdete Menschen können Depressionen mit einem Online-Training vorbeugen. Das hat jetzt ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erstmals belegt, berichtet die FAU in einer Mitteilung.

Die Ergebnisse der Studie mit 406 Probanden sind jetzt im international renommierten Fachblatt "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht worden (JAMA 2016; 315: 1854). In der Untersuchung haben sich die Forscher auf Erfahrungen mit anderen erfolgversprechenden Versuchen internetbasierter Gesundheitsinterventionen gestützt.

Das verwendete sechswöchige GET.ON-Programm basiert auf Therapiemethoden des systematischen Problemlösens und der Verhaltensaktivierung. Im Training absolvierten die Teilnehmer jede Woche eine halb- bis einstündige Übungseinheit - bestehend aus Videos, Texten und Aufgaben - und erprobten die Trainingsinhalte zwischen den Übungseinheiten im Alltag.

Dabei wurden sie durch einen persönlichen Coach begleitet, mit dem sie online in Kontakt standen, so die FAU.

Sehr flexible Intervention

Die 406 Probanden hatten ein erhöhtes Depressionsrisiko, waren jedoch noch nicht an einer Depression erkrankt. Nach dem Zufallsprinzip wurde jeweils die Hälfte der Teilnehmer entweder dem Online-Training zugeteilt, oder sie erhielten herkömmliche Anleitungen zur Vorbeugung von Depressionen in schriftlicher Form. Nach einem Jahr wurden die Teilnehmer in einem diagnostischen Telefoninterview untersucht.

Dabei stellten die Forscher fest, dass von den Personen, die GET.ON absolviert hatten, 27 Prozent im Verlauf des Jahres an einer Depression erkrankten - gegenüber 41 Prozent aus der Referenzgruppe ohne Online-Training.

Für die "number needed to treat" bedeutet das: Von sechs Personen, die an GET.ON teilnehmen, kann bei einer Person eine neue depressive Erkrankung verhindert werden. Dies entspricht einer Senkung des relativen Risikos um 39 Prozent.

"Mit der Studie konnten wir zeigen, dass GET.ON das Risiko für das Auftreten von Depressionen effektiv reduzieren kann", sagt Dr. David Ebert vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU, der die Studie geleitet hat.

"GET.ON bietet Menschen, die erste Beschwerden aufweisen, eine hoch wirksame, zugleich sehr flexible und obendrein kostengünstige Möglichkeit, einer behandlungsbedürftigen Depression erfolgreich vorzubeugen."

Gesundheitspolitisch sehr relevant

Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge muss davon ausgegangen werden, dass in Deutschland etwa 15 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer einmal im Leben an einer Depression erkranken.

"Studien zeigen, dass das durch Depressionen verursachte Leid mit den bisherigen Behandlungsmethoden nur um etwa ein Drittel verringert werden kann", erklärt Ebert. "Wirksame Präventionsstrategien, die frühzeitig unterstützen, sind für Betroffene und das Gesundheitssystem gleichermaßen wichtig.

Das gerade neu aufgelegte Präventionsgesetz hat daher erstmalig nun auch explizit die Prävention von Depression als wichtige Aufgabe des Gesundheitsystems definiert. Die aktuelle Studie zeigt, dass dies mittels Online-Training tatsächlich möglich ist."

Das Programm ein Gemeinschaftsprojekt von Forschern der FAU, der Leuphana Universität Lüneburg und der Freien Universität Amsterdam in Zusammenarbeit mit der Barmer GEK. Die Krankenkasse Barmer diese Prävention von Depression in Deutschland bereits an. (eis/eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy.

© Andrii Lysenko / Stock.adobe.com

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt