FOLGE 3DREI DENKANSÄTZE IN DER HIRNFORSCHUNG

Determinismus

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Hirnforscher wie Gerhard Roth oder Wolf Singer vertreten die Ansicht, daß alle Leistungen des Gehirns, seien sie kognitiver, perzeptiver, affektiv-emotionaler oder motorischer Art, nach beobachtbaren Naturgesetzen, also determiniert ablaufen.

Die Deterministen zweifeln die Handlungsfreiheit des Menschen an, die zwei Komponenten hat: a) Das bewußte Ich ist Träger aller Wünsche und Handlungspläne, b) Das Ich hätte, wenn es gewollt hätte, auch anders handeln können. Das Ich, so Roth, sei eine Instanz, die ihren Produzenten, das Gehirn, leugne.

Diese These radikalisiert das Diktum Sigmund Freuds, nach der das Ich nicht Herr im eigenen Hause sei. Der evolutionäre Zweck des Ichs ist für Roth nur mehr ein "Werkzeug für das Unbewußte, um komplexe Situationen besser zu meistern". (fst)

Dualismus

Vertreter des Dualismus halten an der Unterscheidung von Geist und Gehirn fest. Einer der prominentesten Verfechter dieser Denkrichtung ist der Philosoph Jürgen Habermas.

Er zeichnet ein nicht-deterministisches Bild der Interaktion von Geist und Gehirn. Sein Vorwurf an die Deterministen lautet, sie reduzierten das Freiheitsbewußtsein des Menschen zu einem Epiphänomen. Für Habermas ist der Mensch einerseits Naturwesen, andererseits ist das "Ich als eine soziale Konstruktion zu verstehen, aber deshalb ist es noch keine Illusion".

Das Ich versichere sich in der Kommunikation mit anderen, ob seine eigenen Urteile einer Überprüfung von außen standhalten. Dieser Prozeß des Urteilens ermächtige den Handelnden, Autor einer Entscheidung zu sein. (fst)

Kompatibilismus

Eine vermittelnde Position im Streit zwischen Deterministen und Dualisten nehmen die Kompatibilisten ein. So sagt etwa der Frankfurter Philosoph Wolfgang Detel: "Das Geistige ist zwar fest in der Natur verankert, hat aber autonome kausale Kräfte."

Menschliche Entscheidungen gründeten in Gedanken, die sich zwar neurobiologisch als elektrische Impulse nachweisen lassen. Doch aus der physikalischen Bedingtheit des Denkens kann nicht auf die Bestimmtheit des Gedankens geschlossen werden.

Kompatibilisten verfolgen einen "weichen Naturalismus": Sie nehmen autonome geistige Kräfte in der Natur an, ohne gleich zu fordern, diese Kraft müsse auch naturgesetzlich wirksam sein. Frei, so Detel, seien wir dann, wenn "unsere Handlungen überwiegend durch gute Gründe bedingt sind". (fst)

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