Sportmedizin

"Die Athleten müssen ihrem Arzt auch menschlich richtig vertrauen"

KÖLN (akr). Mit Leib und Seele ist der niedergelassene Orthopäde Dr. Volker Jägemann aus Freising Sportarzt. Der 65jährige ist einer der drei Mediziner, die der deutsche Bob- und Schlittenverband für die Betreuung seiner Sportler zu den Olympischen Winterspielen nach Turin entsendet hat. Mit Athleten wie den Rodlern Silke Otto, Silke Kraushaar oder Georg Hackl ist Jägemann weit über medizinische Fragen hinaus verbunden.

Veröffentlicht: 15.02.2006, 08:00 Uhr

"Wir haben ein richtiges Freundschaftsverhältnis", sagt er. Oft sind Sportler Gäste in seinem Haus. "Sie müssen ihrem Arzt richtig vertrauen. Nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich", weiß er. Olympiateilnehmern ist klar, daß sie auch kleinste Beschwerden mit ihrem Mediziner besprechen sollten. "Aber sie müssen auch damit rechnen, daß der Arzt sie nicht starten läßt", sagt Jägemann.

In Turin ist er für die medizinische Betreuung der Rodler zuständig. "Ich stehe viele, viele Stunden an der Bahn. Sowohl beim Training als auch im Wettkampf", berichtet der Arzt. Rodler verletzen sich am häufigsten beim Training, etwa beim Hallenfußball. "Richtige Verletzungen auf der Eisbahn sind selten", sagt er.

Trotzdem muß der Arzt für alle Eventualitäten gerüstet sein, etwa einen Sturz. Er wartet auf die Sportler im Ziel - mit einem Funkgerät, um im Ernstfall sofort reagieren zu können. Auch zwischen den Wettkämpfen und dem Training hat der Arzt ein wachsames Auge auf die Athleten. Vor allem, wenn eine Verletzung noch nicht lange zurückliegt, beobachtet er seine Schützlinge genau. "Die Sportler müssen lückenlos betreut werden", sagt er.

Eigentlich wollte Jägemann schon vor Jahren aus dem Wettkampfbetrieb aussteigen. Bevor er 1999 leitender Verbandsarzt der Bob- und Schlittenfahrer wurde, betreute er die deutschen Ringer. Doch nur wenige Wochen nachdem er seine Tätigkeit beim Ringerverband aufgegeben hatte, stand der Olympiasieger Georg Hackl vor ihm - mit einem Bandscheibenvorfall.

"So bin ich wieder in den Strudel geraten", sagt Jägemann. In seiner Freisinger Praxis entlastet ihn mittlerweile ein angestellter Arzt, der sein Nachfolger wird. Trotzdem kommt Jägemann selten zum geliebten Golf oder zur Gartenarbeit. "Früher bin ich gerne zur Jagd gegangen. Dafür habe ich überhaupt keine Zeit mehr." Nur zum täglichen Joggen nimmt er sich Zeit.

Jägemann ist zum fünften Mal bei Olympischen Spielen. "Aber es gibt keine Routine. Es ist jedesmal ganz was neues", sagt er. Gern erinnert er sich an die Olympischen Spiele von Salt Lake City, als die Rodler etliche Medaillen gesammelt haben.

In Turin hofft Jägemann auf ähnliche Erfolge, zumal die deutschen Rodler immer zu den Favoriten zählen. Silke Otto ist in Turin übrigens mit einer künstlichen Bandscheibe gestartet, die ihr im Sommer eingesetzt worden ist. Jägemann: "So was hat es noch nie gegeben."

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