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Kommentar

Die SARS-CoV-2-Epidemie lässt sich noch eindämmen

Thomas MüllerVon Thomas Müller Veröffentlicht:

Übervolle Kliniken, Ärzte am Limit und jeden Tag über 100 Tote: Im Corona-Hotspot Lombardei ereignen sich Szenen, die vor Kurzem kaum jemand in Europa für möglich hielt. Nicht gefährlicher als eine Erkältung oder eine Grippe – davon sprachen landauf landab tatsächliche oder vermeintliche Experten. Eine Mortalität von deutlich über 5 Prozent in Italien lässt solche Stimmen langsam verstummen. Die Sterberate in Italien ist sogar höher als in Wuhan in China, wo die Epidemie ihren Ursprung nahm.

In Deutschland sind wohl vor allem aus zwei Gründen nur wenige Menschen an dem neuen Virus gestorben: Zum einen ereignen sich die meisten Todesfälle zwei bis drei Wochen nach Beginn der Erkrankung – daher wird es erst jetzt bei einigen kritisch. Zum anderen stammt ein großer Teil der deutschen COVID-19-Fälle aus dem Case-Tracking: Kontaktpersonen von Erkrankten, die zwar das Virus tragen, aber nur leicht oder gar nicht symptomatisch sind. Solche Personen lassen sich bei einer unkontrollierten Ausbreitung wie in Norditalien praktisch nicht mehr erfassen. Die deutschen Zahlen dürften daher näher an der Realität liegen. Das Case-Tracking ist hier sehr erfolgreich und bietet damit auch weiterhin die Chance, einen unkontrollierbaren Ausbruch wie in der Lombardei zu verhindern.

Eine Eindämmung ist aber auch unter schwierigeren Umständen noch möglich: China hat den Seuchenherd Wuhan abgeriegelt und Satellitencluster erfolgreich isoliert – inzwischen meldet das Riesenreich kaum noch neue Infekte. Auch Südkorea hat die Epidemie fast eingedämmt – trotz rund 8000 COVID-19-Kranker. So kommt es nun vor allem in Europa darauf an, entschlossen zu handeln. Wer dagegen jetzt schon die Pandemie ausruft, verkennt die Möglichkeiten, eine solche zu verhindern.

Hilfe könnte vom Frühling kommen: Das Virus mag die Wärme nicht besonders, dafür sprechen einige Studien. Modellrechnungen legen allerdings auch nahe, dass Sonnenschein allein nicht genügt, um die Ausbreitung zu stoppen. Darauf sollte sich also niemand verlassen.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.mueller@springer.com

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