Diabetologische Schwerpunktpraxis

Arbeiten im Diabetes-Zentrum: „Die Vielfalt an Lebenserfahrungen ist bereichernd“

Internistin Uta Rieger hat vor acht Jahren eine Diabetologische Schwerpunktpraxis übernommen. Wichtig ist ihr ein motiviertes und qualifiziertes Team, denn eine Diabetes-Behandlung ist Teamarbeit.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:
Von links: Dr. Robert Gutmann (Hausarzt und Diabetologe),Dr. Solveig Frenzel (Internistin), Dr. Uta Rieger (Internistinund Leiterin des Diabetes-Zentrum Potsdam).

Von links: Dr. Robert Gutmann (Hausarzt und Diabetologe), Dr. Solveig Frenzel (Internistin), Dr. Uta Rieger (Internistin und Leiterin des Diabetes-Zentrum Potsdam).

© Rolf Schulten

Es ist ein Zufall, dass Dr. Uta Rieger heute ihren Schwerpunkt auf die Diabetologie legt. Die Praxisinhaberin des Diabetes-Zentrums Potsdam hat 1990 ihr Medizin-Examen an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) gemacht. Deutschlandweit gab es damals die „Arztschwemme“.

Nach ihrer Weiterbildung zur Fachärztin für Innere Medizin war Uta Rieger daher froh, ihre erste Berufserfahrung in unterschiedlichen Kliniken sammeln zu können. Sie hat dabei erlebt, wie schwer es ist, das eigene Engagement für den Beruf und die Herausforderungen eines Familienlebens mit zwei kleinen Kindern auszubalancieren. „Darauf wurde damals in den Krankenhäusern kaum Rücksicht genommen“, sagte sie.

Sie suchte schließlich eine „wohnortnahe Stelle, um endlich alles unter einen Hut bringen zu können“. Und sie fand 2004 eine Diabetes-Schwerpunktpraxis in Potsdam-Babelsberg, zu der sie als angestellte Ärztin wechselte: „Ich wusste noch wenig über Diabetes, habe mich in das Fachgebiet reingekniet und es hat richtig Spaß gemacht“, erinnert sie sich.

Im Juni desselben Jahres wurde sie von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) als Diabetologin anerkannt. Im Oktober 2008 wurde ihr von der Landesärztekammer Brandenburg die Zusatzbezeichnung Diabetologie verliehen.

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Als 2018 ihre Vorgängerin eine Nachfolgerin suchte, wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und machte die Praxis zu ihrer eigenen. Ihr Credo: „Eine Diabetes-Behandlung ist Teamarbeit. Da wir sehr viel Zeit unseres Lebens im Job verbringen, muss das, was wir tun, Spaß machen. Und das Team muss motiviert und qualifiziert sein.“

Zwei Diabetologen, ein Hausarzt und ein vielfältiges Team

Unter ihrer Leitung wurde die Schwerpunkt-Praxis in ein Diabetes-Zentrum überführt. Alle drei Jahre steht damit eine Zertifizierung an. Die Weiterbildung für die Beschäftigten ist dann nicht nur Kür, sondern fortlaufende Pflicht. Uta Rieger wollte zudem, dass die Räume auf den zwei Etagen möglichst gut genutzt werden.

Michael Broszat, MFA und Diabetesberater, gibt einer Gruppe von Patienten eine Ernährungsberatung.

Michael Broszat, MFA und Diabetesberater, gibt einer Gruppe von Patienten eine Ernährungsberatung.

© Rolf Schulten

Heute ist im Erdgeschoss das Diabetes-Zentrum untergebracht, oben die Hausarztpraxis, ein Schulungsraum sowie der Mitarbeiter-Raum mit offener Küche. Pro Jahr werden knapp 3.000 Patientinnen und Patienten versorgt, davon etwa 2.000 mit einem diagnostizierten Diabetes.

„Zu uns kommen vor allem Patientinnen und Patienten, die eine komplexe Behandlung benötigen und beispielsweise an zusätzlichen Erkrankungen oder an Folgekomplikationen leiden“, sagte Rieger.

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Voneinander und miteinander zu lernen, gehört zum Programm. Sowohl für die Medizinische Hochschule Brandenburg wie auch für die Health Medical University Potsdam ist das Diabetes-Zentrum Potsdam eine Lehrpraxis. Medizinstudierende kommen regelmäßig zu Studientagen in die hausärztliche und diabetologische Sprechstunde der Praxis, um sich frühzeitig ärztliche Fertigkeiten anzueignen und die ambulante Versorgung kennenzulernen. „Damit möchten wir einen Beitrag zur Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses leisten“, betonte Rieger, die jahrelang als Referentin tätig und im Vorstand der Brandenburger Diabetes Gesellschaft engagiert war.

Der Austausch untereinander ist ein Plus für die Behandlung

Der Austausch untereinander – etwa beim gemeinsamen Mittagessen – ist für sie ein Plus für die Behandlung: „Die Patienten erzählen zuweilen am Tresen etwas über ihre Beschwerden, was sie beim Arzt nicht mehr erwähnen. Wenn wir unsere Beobachtungen teilen, hilft das, die richtigen Therapieschritte zu setzen“, sagte sie.

Die Teamarbeit drückt sich im Diabetes-Zentrum Potsdam zudem in der Kleidung aus. Denn Uta Rieger hält nichts davon, wenn der Arzt in seinem Kittel sofort auffällt. Alle Beschäftigten – von der Ärztin bis zur Servicekraft – tragen daher weiße Hosen und grau-blaue T-Shirts.

Viele der Beschäftigten des Diabetes-Zentrums Potsdam bringen zudem ungewöhnliche Kenntnisse und Lebenserfahrungen ein. Zum Beispiel Dr. Solveig Frenzel. Die zweite Diabetologin im Team hat in den 1980er Jahren in St. Petersburg Humanmedizin studiert. Da sie bis heute fließend Russisch spricht, kommen jetzt auch Geflüchtete aus der Ukraine in die Praxis.

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Dr. Robert Gutmann hat berufliche Erfahrungen im chinesischen Gesundheitssystem gesammelt. Seit fünf Jahren ist er als Hausarzt dabei und wurde jüngst von der DDG als Diabetologe anerkannt. Gutmann ist Organisator und zentraler Ansprechpartner, wenn es um Studientage oder Hospitationen geht.

Mit Akbar Khayitov arbeitet seit Anfang des Jahres ein junger Familienarzt aus Usbekistan mit im Team. Er hilft im Labor oder bei der Wundversorgung. Er freut sich vor allem über diese „riesige Chance, in einer Praxis die Abläufe kennenzulernen“. Khayitov will in Deutschland seine Approbation anerkennen lassen und später eine Weiterbildung zum Chirurgen absolvieren.

Einstieg als MFA, später Diabetes-Berater

Medizinische Fachangestellte (MFA) Karinna Pie Blex gehört seit etwa fünf Jahren zum Praxisteam. Sie arbeitet unter anderem im Labor und misst bei jedem Patienten Blutdruck, Zucker und weitere Parameter. Die junge Frau ist in der Dominikanischen Republik aufgewachsen und jetzt in Potsdam verheiratet. Nach der Deutschprüfung hat sie eine MFA-Ausbildung im Diabetes-Zentrum absolviert und gehört nun mit zum Team.

Karinna Pie Blex, MFA, misst den Blutdruck bei einem Patienten.

Karinna Pie Blex, MFA, misst den Blutdruck bei einem Patienten.

© Rolf Schulten

Im Herbst plant sie, die Fortbildung im Wundmanagement zu machen. Bei Bedarf kann sie auch mit ihren Spanisch-Kenntnissen weiterhelfen.

Auch Michael Broszat hat zunächst die MFA-Ausbildung absolviert. Mittlerweile schult er als Diabetes-Berater die Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung und kümmert sich zudem um das Qualitätsmanagement und die IT-Ausstattung.

„Die Vielfalt an Lebenserfahrungen und zusätzlichen Kenntnissen ist für uns alle spannend und sehr bereichernd. Das macht das Leben bunter“, sagte Rieger. Ihr ist es wichtig, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zentrale Entscheidungen einzubeziehen. Bei neuen Anstellungen holt sie daher das Votum des Teams ein. Denn: „Um gute Arbeit zu leisten, sind wir aufeinander angewiesen.“

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