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HINTERGRUND

Ein Malaria-Impfstoff wird in Afrika dringend benötigt - eine erste Vakzine könnte es in fünf Jahren geben

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:

Nach Schätzungen kommt es weltweit jedes Jahr zu 500 Millionen Malaria-Erkrankungen, ein bis drei Millionen Menschen sterben dabei. Vor allem das tropische Afrika ist betroffen: 90 Prozent der Infizierten leben dort, und vor allem Kinder im Alter unter fünf Jahren sterben an den Infektionen.

Die Zahl der Malaria-Toten hat in den vergangenen Jahren zugenommen, sagen Experten. Und das, obwohl es wirksame Möglichkeiten von Prophylaxe und Therapie gibt. Immer noch haben aber in Afrika große Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu Medikamenten oder Insektizid-behandelten Moskitonetzen, mit denen sich vor allem auch Kleinkinder wirksam vor Infektionen schützen lassen. Besonders für Kinder könnte daher ein Impfstoff die Situation entscheidend verbessern helfen.

Gegen Malaria gibt es eine natürliche Immunität

An Malaria-Vakzinen wird seit mehr als 50 Jahren geforscht. Nur eine einzige - der synthetische Impfstoff Spf66 des Kolumbianers Manuel E. Patarroyo aus den 80er Jahren - hat jedoch bis vor wenigen Jahren die Hürde zu größeren klinischen Studien genommen. In Feldversuchen in Afrika und Thailand war die Vakzine jedoch bekanntlich weitgehend unwirksam.

Daß Wissenschaftler trotzdem guter Hoffnung sind, in absehbarer Zeit einen Impfschutz gegen Malaria entwickeln zu können, leiten sie aus mehreren wissenschaftlichen Befunden ab. Da ist zunächst eine natürliche Immunität, die sich offenbar nach regelmäßigen Infektionen entwickelt. So sterben vor allem Säuglinge und Kleinkinder an Malaria. Jugendliche und Erwachsene, die in Malaria-Regionen leben, erkranken in der Regel nur selten schwer.

Die natürlichen Abwehrkräfte gehen allerdings wieder verloren, wenn die Menschen die Endemiegebiete über längere Zeit verlassen. Gerade auch Migranten sind daher eine nicht zu unterschätzende Risikogruppe ("visiting relatives and friends").

Ihnen muß vor einem Besuch in ihrer früheren Heimat unbedingt eine Malaria-Prophylaxe ans Herz gelegt werden. Bei erneutem Kontakt mit dem Erreger können sie nämlich - anders als vor der Auswanderung - wieder lebensbedrohlich erkranken. Auch bei einer Schwangerschaft (besonders während der ersten!) geht der natürliche Malaria-Schutz verloren, so daß die Infektion wieder schwer verläuft.

Daß ein vollständiger Schutz gegen Malaria möglich ist, haben Forscher schon 1967 zunächst mit Mäusen und dann bei Menschen eindrucksvoll demonstriert. Dabei wurden Moskitos bestrahlt, die Träger der Sporozoiten des Malaria-Erregers (Mückenstadien) waren. Ließen sich Probanden von den Mücken stechen, führte dies bei über 93 Prozent von ihnen zu einem kompletten Schutz vor Erkrankung.

Sporozoiten-Impfung unterbricht den Erregerzyklus

Für den Schutz mußten die Probanden aber über 1000 Sporozoiten per Mückenstich bekommen. Bei späteren Infekten entwickelten sich dann bei ihnen keine Erythrozyten-Stadien mehr, der Lebenszyklus des Parasiten und damit der Verlauf der Infektion waren dadurch unterbrochen.

Über viele Jahre haben Forscher auf eine Subunit-Vakzine gesetzt, in der Sporozoiten-Proteine als Antigene die menschliche Abwehr gegen den Erreger induzieren sollen. Prinzipiell kommen dabei mehrere hundert bis mehrere tausend Proteine in Frage, die durch die 5300 Gene des Malaria-Erregers kodiert werden.

Entdeckt wurde dabei in den 80er Jahren das Plasmodium falciparum circumsporozoite protein (PfCSP), aus dem das Unternehmen Glaxo-SmithKline in Kooperation mit dem Walter Reed Army Institute of Research in den USA den Impfstoff RTS,S/AS02A entwickelt hat. Diese Vakzine ist unter den Malaria-Impfstoffprojekten bisher mit am weitesten fortgeschritten.

In einer Studie mit 2000 ein- bis vierjährigen Kindern in Mozambique ergab sich mit der Impfung zwar nur ein 30prozentiger Schutz gegen Malaria-Infektionen, aber gegen schwere Erkrankungen wie zerebrale Malaria wurde ein 58prozentiger Schutz ermittelt. Besonders wirksam war die Vakzine bei den unter Zweijährigen, die zu 77 Prozent vor schweren Verläufen geschützt wurden. Jetzt folgen Phase-III-Studien, und das Unternehmen hofft, bis 2009 oder 2010 mit der Vakzine auf den Markt kommen zu können.

Auch begrenzter Schutz ist in Afrika hochwillkommen

Da dieser Impfstoff aber nur einen begrenzten Schutz vor Infektionen bietet, ist er für die Reisemedizin von eher geringer Bedeutung. In Afrika ist er jedoch hochwillkommen, da sich damit wahrscheinlich die hohe Zahl der Todesfälle bei kleinen Kindern drastisch senken ließe.

Um eine Vakzine mit einem stärkeren Schutz zu entwickeln, gehen Forscher jetzt zu den Wurzeln zurück. Sie wollen die in den Experimenten hochwirksamen abgeschwächten Sporozoiten als Ganzes in einem Impfstoff verwenden. Genetisch veränderte Sporozoiten haben sich inzwischen als hochimmunogen in einem Mausmodell erwiesen (Science 307, 2005, 528).

Das Unternehmen Sanaria in den USA plant außerdem in den nächsten Jahren erste klinische Studien mit einer Vakzine aus Sporozoiten, die durch Bestrahlung abgeschwächt worden sind.

Lesen Sie dazu auch: Malariavakzine für Kinder in Sicht

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