Direkt zum Inhaltsbereich

"Eine Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung"

BERLIN (HL). Die Bundesregierung lehnt weiterhin Forderungen des Bundesrates ab, Eltern gesetzlich zu verpflichten, dass ihre Kinder an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Eine solche Pflicht sei unverhältnismäßig und auch nicht wirksam.

Veröffentlicht:

Hintergrund der Debatte ist die schwere Vernachlässigung von Kindern, teilweise mit Todesfolge. Bundesrat und Bundesregierung seien sich einig, dass gefährdete Kinder und ihre Eltern möglichst frühzeitig identifiziert werden müssen. Dann könnten die Kinder- und Jugendhilfe und der öffentliche Gesundheitsdienst einschreiten.

Bei der Bekämpfung von Kindesvernachlässigung und -misshandlung hält die Bundesregierung in erster Linie primär- und sekundärpräventive Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe und des öffentlichen Gesundheitsdienstes durch aufsuchende Hilfen und gezielte Förderung von Risikofamilien für notwendig.

Heftige Vorwürfe macht die Bundesregierung den zuständigen kommunalen Behörden: Denn die meisten Kinder, die in den letzten Monaten "auf tragische Weise schlimmsten Formen der Kindesvernachlässigung und -misshandlung ausgesetzt wurden", seien diesen Behörden "seit längerem bekannt" gewesen.

Nun Früherkennungsuntersuchungen verpflichtend zu machen, sei weder verhältnismäßig noch effektiv. Denn von ihrer Zweckbestimmung her würden die auf Krankheitsvorsorge gerichteten Früherkennungsuntersuchungen damit zu einem öffentlichen Fürsorgeinstrument umdefiniert. Tatsächlich sei aber die Erkenntnis einer sozialen Gefahr lediglich das Nebenergebnis einer ärztlichen Untersuchung.

Die Untersuchungspflicht wäre für jene 95 Prozent der Eltern, die die Untersuchung freiwillig wahrnehmen, unnötig, also unverhältnismäßig. Eltern, die ihre Fürsorgepflicht verletzten, würden sich, so die Bundesregierung - ob mit oder ohne Untersuchungspflicht - einer ärztlichen Untersuchung entziehen. Uneffektiv sei eine Untersuchungspflicht auch, wie sich aus einer aktuellen Stellungnahme des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin ergebe.

Danach belegten internationale Studien, dass aufsuchende Fürsorge in Risikofamilien die Zahl der Misshandlungen und Vernachlässigungen senken könne. Für Pflichtuntersuchungen seien solche Effekte jedoch nicht nachgewiesen.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Dosieraerosol, Pulverinhalator, Vernebler

Fallstricke bei der Inhalationstherapie im Kindesalter

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview zum Urologie-Kongress

Wie wird KI die Urologie verändern, DGU-Präsidentin Krege?

Neurodivergenz

ADHS in der Hausarztpraxis: Hinweise für die Diagnostik

Lesetipps
Ältere Frau bei einer Psychiotherapie

© Herbie / Fotolia

Multimodale Therapie

Dystonien: Welche alternativen Therapieansätze gibt es?

Smartphones mit Gemini und Chat-GBT

© Lorenzo Di Cola | NurPhoto / picture alliance

Künstliche Intelligenz

Warum die KI eine Hausärztin fälschlicherweise für tot erklärte

Eine ältere Frau stützt ihr Gesicht mit ihren Händen ab.

© Alexey Klementiev / photos.com

Risikofaktoren im Blick

So spüren Sie eine Post-Stroke-Depression auf