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Kommentar

Eine gesalzene Kontroverse

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

Kochsalz gilt Gesundheitsexperten als Übeltäter. Zuviel davon im Essen erhöhe den Blutdruck und die Gefahr kardiovaskulärer Erkrankungen. Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, den Salzkonsum global zu verringern.

Diese Bemühungen werden jetzt durch eine Studie konterkariert, die überraschenderweise nicht hohen, sondern geringen Salzkonsum als kardiovaskulär bedenklich erscheinen lässt. Das wird die Verfechter einer Salzrestriktion auf die Barrikaden treiben. Schon werden erste wütende Stimmen laut, die die provokanten Studiendaten als Machwerk voreingenommener Wissenschaftler disqualifizieren.

Allerdings sollten diese Kritiker selbst besser nicht nach dem Motto verfahren, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Gewiss hat auch die neue Studie ihre Limitierungen. Die im Schnitt 40 Jahre alten Teilnehmer waren relativ jung, die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle relativ niedrig.

Eine Studie, deren Evidenzstärke eine sofortige Kurskorrektur im Denken zwingend nötig macht, sieht anders aus. Dennoch sollte ihren Ergebnissen nicht mit Empörung oder Ignoranz begegnet werden: Vielleicht haben die Autoren ja Recht, dass nicht jeder beim Griff zum Salzstreuer gleich von Gewissensbissen geplagt sein muss.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: Salz als Risiko: Provokante Studie stellt bisherige Sichtweise auf den Kopf

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Kommentare
Prof. Dr. Dieter Klaus 22.05.201111:34 Uhr

Zur Kochsalzkontroverse

Die Ergebnisse dieser relativ kleinen Bevölkerungsstudie sind sehr überraschend und widersprechen allen bisherigen, zum Teil wesentlich umfangreicheren und zeitlich längeren Studien. Auf methodische Mängel der Arbeit wie das niedrige Urinvolumen in der Niedrig-Kochsalzgruppe (was auf ein unvollständiges Sammeln des 24-Stunden-Urins hinweist) und die Auswahl relativ junger Patienten, bei denen nur geringe Sterberaten zu erwarten sind, lassen an der Wertigkeit der Studie zweifeln. Auch ist es paradox, dass in der Gruppe mit hoher Kochsalzaufnahme wie erwartet der Blutdruck innerhalb der folgenden 7 Jahre ansteigt, die kardiovaskuläre Mortalität aber niedriger ist als in der Gruppe mit niedriger Kochsalzaufnahme. Erfolge einer generellen Kochsalzrestriktion zeigen sich, wie Studien in den USA und Finnland zeigen, erst nach 10 und mehr Jahren. Die Erklärung der Autoren, dass die von Ihnen beobachtete Zunahme der kardiovaskulären Mortalität in der Gruppe mit niedriger Kochsalzaufnahme von 6 g/Tag durch eine Aktivierung des Sympathikus und des Renin-Angiotensin-Systems bedingt ist, kann nicht zutreffen, da diese in relevanten Ausmaß nur bei extrem niedriger Kochsalzaufnahme von 1g/Tag nachweisbar ist. Diuretika führen ebenfalls zu einem leichten Anstieg dieser Parameter, senken aber bei Hochdruckkranken in allen Studien die kardiovaskuläre Mortalität sehr deutlich. Ich halte nach wie vor eine generelle Senkung der Kochsalzaufnahme auf 6g/Tag durch Reduzierung des Kochsalzgehaltes von Lebensmitteln für eine einfache und kostensparende Maßnahme zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung. Wer sich näher mit dieser Frage befassen will, sei auf die Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (2010¸107 457-462) hingewiesen.
Prof.Dr.D.Klaus, Stuttgart. E-Mail:

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