Best-Practice-Leitlinie

Empfehlungen für Senioren vor der Op

Bevor alte Menschen operiert werden, muss ihr Gesundheitszustand richtig eingeschätzt werden. Eine neue Leitlinie aus den USA soll helfen, dass das künftig noch besser klappt. Außerdem soll sie dazu dienen, die Senioren für den chirurgischen Eingriff besser vorzubereiten.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Bei älteren Patienten, denen eine Op bevorsteht, sollte vor dem Eingriff unbedingt der Kognitionsstatus bestimmt werden.

Bei älteren Patienten, denen eine Op bevorsteht, sollte vor dem Eingriff unbedingt der Kognitionsstatus bestimmt werden.

© Alexander Raths/fotolia.com

CHICAGO. US-amerikanische Chirurgen und Geriater haben sich zusammengetan und eine Best-Practice-Leitlinie entwickelt, um den Gesundheitszustand geriatrischer Patienten vor einer Operation besser einschätzen und die Patienten besser für den chirurgischen Eingriff vorbereiten zu können.

Die Ärzte haben sich bei der Entwicklung des Papiers auf mehr als 300 Publikationen gestützt.

Die Experten decken mit ihrer Leitlinie insgesamt 13 Bereiche ab, für die sie detaillierte Empfehlungen geben (J Am Coll Surg 2012; online 20. August).

Die Themenkomplexe reichen von der Überprüfung der kognitiven Funktionen, depressiver Symptome, des Risikos für postoperatives Delirium über die Beurteilung der Herz- und Lungenfunktion bis zur Einschätzung der Beweglichkeit und Gebrechlichkeit sowie der Dokumentation des Ernährungsstatus und der bisherigen Medikation.

Schließlich gehen die Experten auch darauf ein, wie ältere Patienten im Gespräch auf die Operation am besten vorbereitet werden können und wie die Zeit nach der Entlassung zu organisieren ist.

Kognitionsstörungen ein Risikofaktor

Wie wichtig die Beurteilung der Kognition und der Grad einer Demenz vor der Op ist, machen die Experten an der Tatsache deutlich, dass der Anteil der Demenzkranken immer größer wird und Kognitionsstörungen ein Risikofaktor für ein postoperatives Delirium sind.

Dieses wiederum verschlechtert den Therapieerfolg, etwa durch einen längeren stationären Aufenthalt und eine erhöhte perioperative Sterberate.

Weil es nach der Operation nicht selten zu Einschränkungen der Kognition kommt, sollte den Empfehlungen zufolge der Kognitionsstatus unbedingt auch vor dem Eingriff bestimmt werden, um einen Bezugspunkt zu haben.

Von einem postoperativen Delirium sind nach Angaben der USExperten zwischen 10 Prozent und mehr als 50 Prozent der Patienten betroffen, je nach Art des chirurgischen Eingriffs.

Deshalb wird empfohlen, bei geriatrischen Patienten nach entsprechenden Risikofaktoren zu schauen.

Dazu gehören zum Beispiel Depression, Niereninsuffizienz, Dehydrierung oder Alter über 70 Jahre. Haben die Patienten solche Risikofaktoren, sollte eine Applikation von Benzodiazepinen und Antihistaminika möglichst unterbleiben.

Atemübungen vor der Op

Nicht selten sind auch postoperative pulmonale Komplikationen. Studien zufolge liegt die Rate bei über 65 Jahre alten Patienten zwischen 7 und 15 Prozent.

Deshalb sollten Chirurgen unbedingt vor der Op solche Risiken abklären und nach Möglichkeit minimieren.

Dazu gehört, die Lungenfunktion bei Patienten mit COPD oder Asthma zu optimieren, den Patienten zu raten, nicht mehr zu rauchen und sie, wenn möglich, lange vor dem Eingriff zu Atemübungen zu ermuntern.

Die US-Experten betonen, dass es keine Empfehlungen für präoperative Screeningtests gibt - mit drei Ausnahmen: Hämoglobin, Nierenfunktion etwa anhand des Kreatinins sowie Albumin, und zwar ausnahmslos für alle geriatrischen Patienten.

Studien hätten ergeben, dass die Ergebnisse anderer Screeningtests keinen guten Vorhersagewert für den Therapieerfolg haben.

Quelle: www.springermedizin.de

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