Direkt zum Inhaltsbereich

Erhöhte Skoliose-Inzidenz nach Herz-Op bei Kindern

BERLIN (ner). Kinder, die eine Herz-Op hatten, entwickeln später überdurchschnittlich oft eine thorakale Skoliose.

Veröffentlicht:

Das sei unabhängig von der Art des operativen Zugangsweges und der Zahl der Re-Eingriffe, berichten Dr. Tobias L. Schulte von der Orthopädischen Uniklinik in Münster und seine Kollegen. Das Team hat Röntgenbilder von 359 Kindern ausgewertet.

Bei ihnen war im Alter unter zwölf Jahren ein Eingriff am offenen Thorax wegen angeborener Herzerkrankungen notwendig geworden. Dabei sei bei insgesamt 146 Patienten, also bei 41 Prozent der untersuchten Kinder, innerhalb von durchschnittlich elf Jahren eine links- oder rechtskonvexe Verkrümmung der Brustwirbelsäule erkannt worden. Das haben die Kollegen beim Deutschen Kongreß für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin gesagt.

Bei 62 Patienten (17 Prozent) ermittelten sie einen Cobb-Winkel von mindestens 10 Grad, was als manifeste Skoliose angesehen wird. Im Durchschnitt waren es in dieser Gruppe 25,6 Grad. Als Indikation zur Orthesenbehandlung gelten Skoliosen ab einem Cobb-Winkel von mehr als 15 Grad bei noch nicht abgeschlossenem Wachstum.

In anderen Studien lag die Skoliose-Inzidenz übrigens zwischen elf und 39 Prozent. Was den Orthopäden auffiel: Thorakale Hyperkyphosen traten in ihrer Untersuchung nicht häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt auf. Damit bestätigt sich der Verdacht, daß herzchirurgische Op bei Kindern das Risiko für spätere Wirbelsäulendeformitäten erhöhen.

Eine eindeutige Erklärung für die erhöhte Skoliose-Inzidenz gibt es nicht. Vermutet werde, daß es infolge der teilweise mehrfach erforderlichen Operationen mit Spaltung des Sternums und/oder Thorakotomie zu Wachstumsstörungen im Thoraxbereich komme, so Schulte zur "Ärzte Zeitung". Es sei allerdings bekannt, daß bei kongenitalen Herzerkrankungen auch ohne Op vermehrt Skoliosen aufträten. Diese Inzidenz ist nach Op jedoch noch einmal erhöht.

Eltern von operierten Kindern sollten vor allem in Phasen starken Körperwachstums (Pubertät) bis zur Skelettreife etwa einmal jährlich einen Orthopäden aufsuchen, empfiehlt Schulte. In den Kontrolluntersuchungen sollte ein besonderes Augenmerk der Wirbelsäule gelten.

Weitere Informationen unter: www.skoliose-info-forum.de



STICHWORT

Cobb-Winkel

Mit dem Cobb-Winkel wird in Grad beschrieben, wie stark ausgeprägt ein Skoliose-Bogen, eine Kyphose oder eine Lordose ist.

Das Röntgenbild sollte möglichst im Stehen angefertigt werden. Auf dem Bild wird dann vermessen, in welchem Winkel die Wirbeldeckplatten der jeweils schiefsten Wirbel (zur Horizontalen) am Anfang und Ende eines Bogens zueinander stehen. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Phänotyp entscheidend

Unkontrolliertes Asthma: Welches Biologikum beim Kind?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Komplexe Gemengelage

COVID-Prophylaxe 2.0: Das gilt bei der Abrechnung

Robert Koch-Institut

Erster Nachweis von Sindbis-Fieber in Deutschland

Lesetipps