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Komplizierte Verläufe

Erste Leitlinie zur Betreuung von Zwillingsschwangerschaften

Komplizierte Verläufe sind bei Zwillingsschwangerschaften häufiger. DEGUM und DGGG haben nun eine gemeinsame Leitlinie zur Betreuung von Zwillingsschwangerschaften veröffentlicht.

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Ultraschall-Untersuchung bei einer Schwangeren

Durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen lassen sich Komplikationen bei Zwillingsschwangerschaften früh erkennen (Symbolbild mit Fotomodell).

© Gene Chutka / Getty Images / iStock

Berlin. War im Jahr 1977 nur jedes 56. Neugeborene ein Mehrling, so sind es heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele, teilt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) mit. „Grund dafür ist zum einen die Zunahme von künstlichen Befruchtungen, zum anderen aber auch das höhere Durchschnittsalter der werdenden Mütter“, wird Privatdozent Dr. Kai-Sven Heling, Pränataldiagnostiker und Vizepräsident der DEGUM, in der Mitteilung zitiert. Denn Frauen haben mit zunehmendem Alter häufiger zwei Eisprünge pro Zyklus.

Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer mit besonderen Risiken verbunden: Frühgeburten und Fehlbildungen kommen deutlich häufiger vor als bei Einlingsschwangerschaften, teilt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) mit. Eine engmaschige Begleitung durch ultraschallerfahrene Ärzte sei daher essenziell, so die DEGUM.

Ziel: Erhöhtes Risiko für Komplikationen früh erkennen

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat die DEGUM kürzlich die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie (Registernummer 015 - 087) zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften herausgegeben.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jene Zwillingsschwangerschaften, welche einem erhöhten Risiko für Komplikationen unterliegen, frühzeitig identifiziert und kontinuierlich per Ultraschall betreut werden“, wird Professor Constantin von Kaisenberg, Medizinische Hochschule Hannover und Leitlinienbeauftragter der DEGUM, in der Mitteilung zitiert. „Durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen lassen sich durch die frühzeitige Erkennung von Komplikationen und ein daraus ableitbares Management die Mortalität und Morbidität der betroffenen Zwillinge deutlich senken“, ergänzt Professor Kurt Hecher vom UKE Hamburg.

Zu den Hauptrisiken zählen Fehlbildungen und Frühgeburt

Im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften kommt es bei Zwillingen häufiger zu komplizierten Verläufen. Zu den Hauptrisiken zählen Fehlbildungen und Frühgeburt. Die Schwangeren haben zudem schon allein aufgrund der stärkeren körperlichen Belastung durch zwei Kinder ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Anämie und Präeklampsie, so die DEGUM. Gefährdet sind vor allem die Feten selbst. Entscheidend ist, ob sie sich eine Plazenta oder eine Fruchthöhle teilen müssen.

Zwillingsschwangerschaften, bei denen jeder Fetus eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchthöhle hat, sind in der Regel wenig problematisch. „Bei diesen Schwangerschaften geht es vor allem darum, dass die Feten wenig Platz haben und zusammen ein deutlich höheres Gewicht aufbringen als ein Einling“, erklärt von Kaisenberg. Der Druck auf den Muttermund steige enorm, eine Frühgeburt drohe. Zwillinge werden deshalb auch spätestens in der Schwangerschaftswoche 38 geboren.

Bei jeder fünften Zwillingsschwangerschaft teilen sich die Ungeborenen eine Plazenta. Eine solche „monochoriale“ Schwangerschaft lässt sich bis Schwangerschaftswoche 14 mithilfe der Ultraschalldiagnostik feststellen. Kinder, die sich eine Plazenta teilen („monochoriale“ Schwangerschaft), sind besonders gefährdet. So kann es sein, dass eine Gefäßverbindung zwischen den Zwillingen besteht, es droht die Gefahr des fetofetalen Transfusionssyndroms (TTTS). Dabei kommt es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen: Das eine gibt Blut ab, das andere nimmt es auf. Bei monochorialen Zwillingen muss ganz engmaschig betreut werden, um zu sehen, ob eines der Kinder unterversorgt ist und das andere zu viel bekommt. „Es könnten einer oder auch beide sterben“, so von Kaisenberg.

Er rät Schwangeren, sich in dieser Situation einen Arzt mit hoher Ultraschallkompetenz zu suchen. Wer beispielsweise eine DEGUM-Zertifizierung der Stufe zwei und/oder drei besitzt, ist ausreichend qualifiziert, um Risiken zu erkennen und frühzeitige Therapiemaßnahmen einzuleiten.(ikr)

Alle DEGUM-zertifizierten Ärzte kann man auf der Webseite der Fachgesellschaft einsehen.

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