Direkt zum Inhaltsbereich

DGIM-Kongress

"FORTA identifiziert auch Unterversorgung"

Die FORTA-Liste unterstützt bei der Wahl der medikamentösen Therapie für ältere Patienten. Dabei geht es nicht nur um das Weglassen von Arzneien.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:

WIESBADEN. Um alten Patienten eine medikamentöse Therapie zu ermöglichen, die mehr nutzt als schadet, reichen Negativlisten von zu meidenden Arzneimitteln nicht aus. Auch der Nutzen von Medikamenten sollte bewertet werden – immer in Abhängigkeit von der Diagnose und Situation des Patienten.

Die in Heidelberg entwickelte Liste FORTA (Fit fOR The Aged) umfasst nicht nur Negativ-, sondern auch Positivbewertungen. In Abhängigkeit von der Diagnose gibt es in der FORTA-Liste vier Kategorien von A (klar positives Nutzen-Risikoverhältnis) bis D (bei älteren Patienten zu vermeiden).

FORTA wurde von einer Expertengruppe konsentiert und liegt seit Februar 2019 in der dritten Auflage vor. Die Bewertung erlaubt die Priorisierung über verschiedene Therapiebereiche hinweg und hilft so bei der Verbesserung komplexer Arzneitherapien, erläuterte der Initiator von FORTA, Professor Martin Wehling, Direktor des Instituts für klinische Medizin der Universität Heidelberg, beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Im Gegensatz zu vielen anderen solcher Listen und Instrumenten ist der Nutzen von FORTA in einer randomisiert-kontrollierten Studie belegt (Age Ageing 2016; 45: 262-267): Das relative Risiko für unerwünschte Wirkungen sank bei Anwendung von FORTA im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant um 20 Prozent.

Wenn FORTA fünf Mal angewendet wurde, profitierte bereits ein Patient, so Wehling in Wiesbaden. Auch bei Aktivitäten des täglichen Lebens und der Niereninsuffizienz zeigten sich signifikante Unterschiede zugunsten von FORTA. Wichtig ist laut Wehling, dass es nicht nur um das Weglassen von Medikamenten geht: In der Studie blieb die Gesamtzahl der Medikamente bei Anwendung von FORTA gleich, es waren ebenso viele Medikamente neu eingesetzt worden wie abgesetzt. "FORTA identifiziert auch Unterversorgung", betonte er.

Inzwischen wurde eine europäische Version von FORTA publiziert. Eine US-amerikanische ist gerade in Entwicklung, die Unterschiede in der Zulassung von Medikamenten berücksichtigt. Aktuell wird die FORTA-Bewertung gerade in verschiedene größere Arzneimitteldatenbanken wie die der ABDA und von Krankenhaus- und Praxissoftware eingebaut.

Informationen zur FORTA-Liste

Die Bewertung (...) hilft bei der Verbesserung komplexer Arzneitherapien.

Professor Martin Wehling, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist