DGIM-Kongress

"FORTA identifiziert auch Unterversorgung"

Die FORTA-Liste unterstützt bei der Wahl der medikamentösen Therapie für ältere Patienten. Dabei geht es nicht nur um das Weglassen von Arzneien.

Von Friederike Klein Veröffentlicht: 13.05.2019, 07:15 Uhr

WIESBADEN. Um alten Patienten eine medikamentöse Therapie zu ermöglichen, die mehr nutzt als schadet, reichen Negativlisten von zu meidenden Arzneimitteln nicht aus. Auch der Nutzen von Medikamenten sollte bewertet werden – immer in Abhängigkeit von der Diagnose und Situation des Patienten.

Die in Heidelberg entwickelte Liste FORTA (Fit fOR The Aged) umfasst nicht nur Negativ-, sondern auch Positivbewertungen. In Abhängigkeit von der Diagnose gibt es in der FORTA-Liste vier Kategorien von A (klar positives Nutzen-Risikoverhältnis) bis D (bei älteren Patienten zu vermeiden).

FORTA wurde von einer Expertengruppe konsentiert und liegt seit Februar 2019 in der dritten Auflage vor. Die Bewertung erlaubt die Priorisierung über verschiedene Therapiebereiche hinweg und hilft so bei der Verbesserung komplexer Arzneitherapien, erläuterte der Initiator von FORTA, Professor Martin Wehling, Direktor des Instituts für klinische Medizin der Universität Heidelberg, beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Im Gegensatz zu vielen anderen solcher Listen und Instrumenten ist der Nutzen von FORTA in einer randomisiert-kontrollierten Studie belegt (Age Ageing 2016; 45: 262-267): Das relative Risiko für unerwünschte Wirkungen sank bei Anwendung von FORTA im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant um 20 Prozent.

Wenn FORTA fünf Mal angewendet wurde, profitierte bereits ein Patient, so Wehling in Wiesbaden. Auch bei Aktivitäten des täglichen Lebens und der Niereninsuffizienz zeigten sich signifikante Unterschiede zugunsten von FORTA. Wichtig ist laut Wehling, dass es nicht nur um das Weglassen von Medikamenten geht: In der Studie blieb die Gesamtzahl der Medikamente bei Anwendung von FORTA gleich, es waren ebenso viele Medikamente neu eingesetzt worden wie abgesetzt. "FORTA identifiziert auch Unterversorgung", betonte er.

Inzwischen wurde eine europäische Version von FORTA publiziert. Eine US-amerikanische ist gerade in Entwicklung, die Unterschiede in der Zulassung von Medikamenten berücksichtigt. Aktuell wird die FORTA-Bewertung gerade in verschiedene größere Arzneimitteldatenbanken wie die der ABDA und von Krankenhaus- und Praxissoftware eingebaut.

Informationen zur FORTA-Liste

Die Bewertung (...) hilft bei der Verbesserung komplexer Arzneitherapien.

Professor Martin Wehling, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

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