Infektion

Fadenwurm verdoppelt das Risiko für HIV-Infektion

Warum sind HIV und Aids in Afrika so viel stärker verbreitet als in der restlichen Welt? Einen Grund dafür hat jetzt ein internationales Forscherteam in Tansania gefunden.

Marco MrusekVon Marco Mrusek Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Eine Infektion mit dem Fadenwurm Wuchereria bancrofti erhöht das Risiko für eine HIV-Infektion um das zwei- bis dreifache, meldet die Universität München. Der Wurm ist in Afrika weit verbreitet und löst die lymphatische Filariose aus, eine Erkrankung der Lymphgefäße, die im schlimmsten Fall zur Elephantiasis führt.

Auf den Zusammenhang zwischen Wurm und HIV-Risiko stieß ein internationales Forscherteam um Professor Michael Hölscher, Leiter des Tropeninstitutes an der Universität München, bei einer Kohorten-Studie in Tansania.

Arzneien wirken nur gegen Mikrofilarien

Dort ist das Bild von elefantös verformten Gliedmaßen durch Elephantiasis keine Seltenheit. Die gegen die Fadenwürmer eingesetzte Medikamentenkombination wirkt nur gegen die von den Würmern produzierten Mikrofilarien, die ins Blut wandern und von dort über Mücken weiterverbreitet werden. Der erwachsene Wurm hingegen bleibt oft jahrelang im Lymphsystem des menschlichen Körpers lebendig und lässt das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, deutlich steigen, wie die Forscher nachwiesen (Lancet 2016, online 2. August).

Die Studie sollte HIV-Risikofaktoren in der Normalbevölkerung im Südwesten Tansanias aufzeigen. Eine Untergruppe von 1055 Personen untersuchten die Wissenschaftler nachträglich auf eine Infektion mit den Fadenwürmern (Filarien). Insgesamt wurden 32 neu aufgetretene HIV-Infektionen beschrieben.

"Unabhängiger und signifikant relevanter Risikofaktor"

Der Vergleich von Filarien-Infizierten mit Nichtinfizierten ergab ein deutlich höheres Risiko für die HIV-Ansteckung (1,91 versus 0,8 Fälle pro 100 Personenjahre). Das Risiko unterscheidet sich je nach Altersgruppe allerdings stark: Bei den 14 bis 25-Jährigen ist es 3,2-fach erhöht, bei den 25 bis 45-Jährigen um den Faktor 2,4 und bei den über 45-Jährigen um den Faktor 1,2.

Damit bleibe lymphatische Filariose ein unabhängiger und signifikant relevanter Risikofaktor für eine Infektion mit HIV, so das Team um Hölscher.

Liegt's am aktivierten Immunsystem?

Die Untersuchungsergebnisse bestätigten die Hypothese, dass ein Wirt mit aktiviertem Immunsystem anfälliger für eine HIV-Infektion sei, so die Autoren. "Mit dieser ersten Bestätigung einer lange gehegten Hypothese fängt die Arbeit erst richtig an", wird Hölscher in der Mitteilung zitiert.

Gemeinsam mit Forschern der Universität Bonn sind nun weitere Studien geplant. "Wichtig sind jetzt Therapien, die auch die erwachsenen Würmer von W. bancrofti schnell eliminieren", bekräftigt Professor Achim Hörauf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie am Universitätsklinikum Bonn.

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