Direkt zum Inhaltsbereich

Durchfallbakterium

Fast jedes zweite Huhn mit Campylobacter belastet

Campylobacter-Enteritis ist in Deutschland die häufigste durch Bakterien verursachte meldepflichtige Erkrankung. Risikofaktor ist vor allem der Verzehr von Hühnerfleisch – aber auch die Einnahme einer bestimmten Medikamentenklasse.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Über Küchenutensilien, mit denen kontaminiertes Hühnerfleisch zubereitet wurde, können auch andere Lebensmittel mit Campylobacter belastet sein.

Über Küchenutensilien, mit denen kontaminiertes Hühnerfleisch zubereitet wurde, können auch andere Lebensmittel mit Campylobacter belastet sein.

© shtak3t/stock.adobe.com

NEU ISENBURG. Mit mehr als 70.000 gemeldeten Erkrankungen im Jahr 2016 und ähnlich hohen Zahlen in den Jahren zuvor hat sich die Campylobacter-Enteritis in Deutschland zur häufigsten bakteriellen meldepflichtigen Krankheit entwickelt. Das berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Epidemiologischen Bulletin.

Die tatsächliche Zahl liege vermutlich allerdings zehnmal höher. Deutschland steht dabei nicht alleine da: Daten der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC zufolge liegt die Campylobacter-Enteritis unter den bakteriellen Krankheiten in ganz Europa auf Platz 1.

Risikofaktor Magensäurehemmer

In einer kombinierten Fall-Kontroll- und Source-Attribution-Studie mit 1812 Infizierten und 3983 Kontrollpersonen, die das RKI von 2011 bis 2014 in mehreren Bundesländern durchgeführt hat, wurden nun erstmals Risikofaktoren für sporadische Campylobacter-Infektionen untersucht.

Im Fokus der Wissenschaftler lag dabei auch die Relevanz verschiedener Tierquellen für Humaninfektionen in Deutschland. Die Teilnehmer wurden per Fragebogen zu ihrer Exposition im Bezug auf mögliche Risikofaktoren befragt.

Es stellte sich heraus, dass der bedeutendste Risikofaktor für eine Infektion der Verzehr von Hühnerfleisch ist. Bei 38 bis 54 Prozent von frischen Hähnchenfleischproben aus dem Einzelhandel wurde Campylobacter nachgewiesen. Auch der Kontakt mit Geflügel ist laut Studienergebnissen ein hoher Risikofaktor.

Statistisch signifikant war allerdings auch die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol und Pantoprazol in den vier Wochen vor Erkrankungsbeginn: Die Odds Ratio lag bei 1,9.

Campylobacter häufig unbekannt

"Patienten, die Magensäurehemmer einnehmen, sollten über den Zusammenhang mit bakteriellen gastrointestinalen Infektionen aufgeklärt werden, damit sie ihre Ernährung anpassen können und gegebenenfalls auf bestimmte Lebensmittel wie nicht vollständig durchgegartes Fleisch verzichten", rät das RKI.

Wichtig ist die Aufklärung auch, weil das Bakterium Campylobacter von der Bevölkerung wohl unterschätzt wird: Bei einer Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gaben nur 22 Prozent an, vom Keim Campylobacter überhaupt schon einmal gehört zu haben. Wesentlich bekannter sind Salmonellen, Salmonellosen werden in Deutschland allerdings deutlich seltener gemeldet (2017 bis KW 47 11.184 Fälle).

Hygienekriterien ab 2018

Die Zahl der Campylobacter-Infektionen in der Bevölkerung könnte durch Maßnahmen auf verschiedenen Stufen der Lebensmittelkette maßgeblich reduziert werden, heißt es in dem Epidemiologischen Bulletin.

Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die hohe Belastung von Hühnerfleisch mit Campylobacter durch Kontamination beim Schlachtprozess verursacht ist: Die Karkassen-Oberfläche werde vermutlich durch den Darminhalt der Hühner verunreinigt.

In der Europäischen Union sollen im Jahr 2018 Hygienekriterien eingeführt werden, die Grenzwerte für Campylobacter auf Geflügelkarkassen festlegen, so das RKI.

Mehr zum Thema

Praxis Update 2026

Rheuma: Erst der Entzündungsnachweis, dann die Antikörper-Diagnostik

Fehlerhaftes Immunsystem

So unterscheiden sich primäre und sekundäre Immundefekte

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Praxisinventar

So lassen sich Praxen ihre Therapieliege fördern

Lesetipps
Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?