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Neue Alzheimerarznei

Fehlschlag mit Hoffnungsschimmer

Schon wieder ein Misserfolg: In zwei Phase-III-Studien war der Antikörper Solanezumab bei Alzheimerpatienten nicht wirksamer als Placebo. Für frühe Stadien gibt es allerdings noch Hoffnung - hier ließ sich die Erkrankung bremsen.

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INDIANAPOLIS (mut). Es ist wahrlich ein schlechter Sommer für neue Alzheimermedikamente: Erst scheiterte der monoklonale Antikörper Bapineuzumab, der sich gegen das Alzheimerpeptid Beta-Amyloid richtet und von Pfizer, Johnson & Johnson sowie Elan entwickelt wurde.

In zwei Phase-III-Studien ließen sich keine Verbesserungen bei Morbus Alzheimer erzielen. Die primären Endpunkte - eine Änderung der kognitiven und funktionellen Leistung - wurden verfehlt.

Anfang August gaben die beteiligten Unternehmen bekannt, die weitere Entwicklung einzustellen. Es folgte keine zwei Wochen später die Mitteilung von Bristol-Myers Squibb zum Gamma-Sekretasehemmer Avagacestat.

In einer Phase-II-Studie mit dem ebenfalls gegen Beta-Amyloid gerichteten Medikament gab es in niedrigen Dosierungen keine erkennbare Auswirkungen auf die kognitive Leistung, in höheren Dosierungen war die Hirnleistung sogar noch schlechter als mit Placebo.

Nun folgt ein Fehlschlag mit einer dritten Anti-Amyloid-Arznei: Eli Lilly gibt bekannt, dass zwei Phase-III-Studien mit dem Antikörper Solanezumab ebenfalls die primären Endpunkte bei Kognition und Alltagsfunktion verfehlt haben.

Damit hat sich bisher kein einziger Wirkstoff, der sich gegen Beta-Amyloid richtet, in einer Phase-III-Studie mit Alzheimerpatienten als wirksam erwiesen.

Therapie beginnt offenbar zu spät

Und dennoch: Die Studien mit Solanezumab sind einen genaueren Blick wert. So wird schon lange von Experten argumentiert, eine Therapie gegen die bei Alzheimer typischen Beta-Amyloid-Ablagerungen mache gerade bei Alzheimerpatienten keinen Sinn mehr.

Wenn sich erst einmal die klinischen Symptome zeigen, dann ist die Amyloid-Pathologie weitgehend abgeschlossen, das Gehirn mit Amyloid gesättigt, die Neurodegeneration vollzieht sich dann offenbar unabhängig von den Proteinaggregaten im Gehirn.

Eigentlich - und darauf deuten auch viele neue Daten aus der Bildgebung - müsste man mit einer Anti-Amyloid-Therapie schon Jahre bis Jahrzehnte vor dem Gedächtnisverlust beginnen.

Indirekt weisen die Daten zu Solanezumab nun darauf, dass an dieser Hypothese etwas dran sein könnte. Denn bei Studienpatienten im klinischen Alzheimer-Frühstadium konnte die Antikörpertherapie den Krankheitsverlauf bremsen, nicht aber bei Patienten, die schon moderat erkrankt waren, teilt Eli Lilly mit.

Noch kein Aus für Solanezumab

An den beiden 18 Monate dauerenden Studien EXPEDITION1 und EXPEDITION2 nahmen zusammen über 2000 Patienten mit leichter bis moderater Alzheimer-Erkrankung teil.

Dabei gab es in EXPEDITION1 über alle Studienteilnehmer gemittelt keinen Vorteil der Therapie mit Solanezumab im Vergleich zu Placebo bei den Endpunkten Kognition und Alltagsfunktion.

Patienten in der zuvor definierten Subgruppe mit leichter Alzheimerdemenz (Mini-Mental-Wert von 26 bis 20 Punkten) zeigten allerdings mit dem Antikörper nach Angaben von Eli Lilly eine signifikante Reduktion des kognitiven Abbaus.

In EXPEDITION2 war das Ergebnis ähnlich, jedoch wurde das Signifikanzniveau bei den leicht Erkrankten verfehlt. In den gepoolten Daten beider Studien wiederum war der Unterschied zwischen Antikörper- und Placebotherapie bei leicht Erkrankten signifikant.

"Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Solanezumab-Studien die primären Endpunkte verfehlt haben. Aber die gepoolten Daten, die eine Verlangsamung des kognitiven Abbaus andeuten, ermutigen uns", so Dr. John C. Lechleiter, Präsident von Eli Lilly. "Wir werden jetzt die nächsten Schritte mit den Zulassungsbehörden diskutieren."

Die genauen Daten der beiden Studien sollen auf Konferenzen im Oktober vorgestellt werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vergesst Amyloid bei Alzheimer!

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