Zwangsstörung

Fehlt Protein SPRED2 im Gehirn?

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WÜRZBURG. Wenn ein molekularer Signalweg in der Amygdala zu stark aktiviert ist, kann das zu Zwangsstörungen führen. Diesen Zusammenhang haben Forscher nun aufgedeckt, wie die Universität Würzburg mitteilt. "Wir haben jetzt an einem Mausmodell nachgewiesen, dass allein ein Fehlen des Proteins SPRED2 ein übersteigertes Sauberkeitsverhalten auslösen kann", wird Studienautor Professor Kai Schuh vom Physiologischen Institut der Universität Würzburg zitiert. Das sei bedeutsam, weil für diese Art von Leiden noch kein klarer Auslöser identifiziert ist. Bislang deute alles darauf hin, dass es mehrere Faktoren sind, die zu einer Zwangsstörung führen.

Das Protein SPRED2 kommt in allen Zellen des Körpers vor, besonders konzentriert tritt es im Gehirn auf – und zwar in den Basalganglien und der Amygdala-Region. Normalerweise hemmt das Protein die Ras/ERK-MAPKinase-Kaskade. Wenn es fehlt, läuft dieser Signalweg mit einer höheren Aktivität ab als im Normalfall.

"Es ist vor allem der gehirnspezifische Initiator des Signalwegs, die Rezeptortyrosinkinase TrkB, die hier verstärkt aktiv ist und die überschießende Reaktion der nachgeschalteten Komponenten bewirkt", erklärt Erstautorin Dr. Melanie Ullrich in der Mitteilung. Wird die übermäßig aktive Signalkaskade im Tiermodell mit einem Hemmstoff beruhigt, führe das zu einer Milderung der Zwangshandlungen (Molecular Psychiatry 2017; online 10. Januar). Zudem konnte die Würzburger Forschungsgruppe die Zwangsstörung – in Analogie zur gängigen Therapie beim Menschen – mit einem Antidepressivum behandeln.

Durch die aufgedeckte Verbindung von Zwangserkrankungen mit der Ras/ERK-MAP-Kinase-Signalkaskade ergeben sich auch neue Ansatzpunkte für Therapiemöglichkeiten, heißt es weiter in der Mitteilung der Universität. Denn es gibt bereits Krebsmedikamente, die diese Kaskade hemmen. Allerdings sei es fraglich, ob die Arzneien auch bei Zwangsstörungen wirken und hinsichtlich der Nebenwirkungen Vorteile bringen.(eb)

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