Darmkrebs

Fokus auf Keime, Epithel und Immunsystem im Darm

Veröffentlicht: 05.03.2014, 09:17 Uhr

BRAUNSCHWEIG. Neue Erkenntnisse zu Darmkrebs soll ein Projekt bringen, in dem erforscht wird, wie sich Bakterien, Darmoberfläche und Immunsystem gegenseitig beeinflussen.

Dr. Till Strowig vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Braunschweig, untersucht gemeinsam mit Forschern vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf das komplexe Wechselspiel anhand des Moleküls Interleukin 22 (IL22), teilt das HZI mit.

Menge und Zusammensetzung der Bakterienarten im Darm sind ja von Mensch zu Mensch unterschiedlich und werden von Faktoren wie der Ernährung und der Aktivität des Immunsystems, aber auch von der Einnahme bestimmter Medikamente, etwa Antibiotika, beeinflusst. Dieses individuelle "Mikrobiom" im Darm eines Menschen reguliert die Funktion der Darmschleimhäute und beeinflusst deren Immunantwort.

Der Botenstoff Interleukin 22 und sein körpereigener Gegenspieler, das Interleukin 22-bindende Protein, sind bei Immunreaktionen von entscheidender Bedeutung, erinnert das HZI. Auch bei der Geweberegenerierung, etwa der Wundheilung, sind beide Faktoren von großer Bedeutung.

Aus Versuchen mit Mäusen sei bereits bekannt, dass Tiere, die IL22 oder seinen Gegenspieler, das IL22-bindende Protein, nicht produzieren können, ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, heißt es in der Mitteilung.

"Wir wollen herausfinden, wie diese beiden Faktoren reguliert werden", wird Strowig zitiert. "Insbesondere interessiert uns, welche Bakterien in der Darmflora und welche Zellen im Immunsystem und im Darmepithel dabei eine Rolle spielen."

"ERC Startin Grant" für Nachwuchstalente

Der HZI-Wissenschaftler wird vor allem die Wechselwirkungen zwischen Darmbakterien und Epithel erforschen, während sein Kollege Professor Samuel Huber vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sich auf das Zusammenspiel von Immunzellen und Epithel konzentrieren wird, berichtet das HZI.

Ein besseres Verständnis der verschiedenen Zellarten, die für die Steuerung von Geweberegenerierung und Immunantworten verantwortlich sind, könnte neue Therapieoptionen auch gegen Dickdarmkrebs eröffnen.

Der Europäische Forschungsrat ERC fördert das Projekt in den kommenden fünf Jahren mit einem "ERC Starting Grant" in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro.

Der "ERC Starting Grant" wird jedes Jahr vom Europäischen Forschungsrat an herausragende Nachwuchstalente aus allen Bereichen der Wissenschaft verliehen. (eb)

Mehr zum Thema

Per IR-Imaging

Künstliche Intelligenz klassifiziert Darmkrebs

Darmkrebs

Zielgerichtete Therapie bei BRAFV600E-Mutation

Das könnte Sie auch interessieren
Thromboseprophylaxe und COVID-19

„ÄrzteTage extra“-Podcast

Thromboseprophylaxe und COVID-19

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Leo Pharma GmbH, Neu-Isenburg
Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

CAT-Algorithmus

Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
„Hormonersatztherapie mit einem anderen Ansatz“

S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause

„Hormonersatztherapie mit einem anderen Ansatz“

Impfbereitschaft geht flöten

EU-Bürger befragt

Impfbereitschaft geht flöten

Neue Corona-Studien: Geruchsverlust über Wochen

COVID-19

Neue Corona-Studien: Geruchsverlust über Wochen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden