Fingerübung

Freiwillige vor bei der digitalen rektalen Palpation!

Wie lernt man am besten, Patienten digital rektal zu untersuchen? Simulationen sind da offenbar weniger erfolgreich als das Üben am lebenden Objekt, wie australische Urologen herausgefunden haben.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 02.08.2019, 06:20 Uhr
Freiwillige vor bei der digitalen rektalen Palpation!

Rektum-Ca, Douglasabszess, Fistel: Die DRU kann bei vielen Krankheitsbildern aufschlussreich sein.

© strixcode / stock.adobe.com

SYDNEY. Wenn in der Medizin und speziell in der Urologie vom Digitalisieren die Rede ist, hat das entgegen allem Anschein wenig bis gar nichts mit Big Data oder künstlicher Intelligenz zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um eine höchst analoge Angelegenheit, nämlich das Austasten des Analkanals und von Teilen des Rektums sowie angrenzender Strukturen mit dem behandschuhten und mit Gleitmittel versehenen Finger.

So einfach sich die Technik im Grundsatz darstellt, so schwierig ist es, in den dem Blick entzogenen Tiefen den palpatorischen Überblick zu behalten. Wen es während der Ausbildung nicht gerade in die Urologie verschlagen hat, ist mit der Methode oft wenig vertraut. Das ist bedauerlich. Denn so viele Möglichkeiten, ein wenig ins Innere des Körpers vorzudringen, ohne gleich zu schwererem technischem Gerät greifen zu müssen, bietet die menschliche Anatomie nicht.

Studenten fühlen sich kompetenter

Dr. Manish Patel von der Abteilung für Urologie des Westmead-Krankenhauses in Sydney hat mit Kollegen 48 Medizinstudenten in der digitalen rektalen Untersuchung (DRU) unterwiesen (BJU Int 2019; online 18. Juli).

Alle Studenten erhielten eine 30-minütige Unterweisung und übten anschließend an einem Simulationsmodell. 26 Studenten hatten danach Gelegenheit, ihre Kenntnisse an Patienten der Klinik, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, nach vorheriger Einweisung zu vertiefen.

Wenig überraschend hatten die Studenten, die am menschlichen Objekt hatten üben dürfen, nach Abschluss der Lektion mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten zur DRU und zur Interpretation der Befunde als die Studenten der Kontrollgruppe.

Dazu muss gesagt werden, dass nur gefragt wurde, ob sich die Studenten kompetenter fühlten, aber nicht geprüft, ob sie auch kompetenter waren. Patel und Kollegen gaben dafür den nachvollziehbaren Grund an, alles andere hätte die Freiwilligen in allzu arge Verlegenheit gebracht.

Aufschlussreiche Palpation

Die DRU hat in den vergangenen Jahren viel von ihrer früheren diagnostischen Attraktivität eingebüßt. Das liegt vor allem daran, dass sie für das Screening auf Prostatakrebs – eine ihrer Hauptindikationen – nur noch als bedingt tauglich eingestuft wird. In der deutschen Leitlinie zum Prostatakarzinom wird die DRU mit Empfehlungsgrad B versehen – sie „sollte“ zusätzlich zum PSA-Test empfohlen werden.

Allerdings ist die Prostatakrebsdiagnostik keineswegs das einzige Indikationsgebiet für die DRU. Ein großer Teil der Rektum- und auch Analkarzinome sind dem tastenden Finger zugänglich, von anderen proktologischen Krankheitsbildern wie Fisteln zu schweigen.

Auch für gynäkologische Fragestellungen kann die rektale Palpation aufschlussreich sein, wie beispielsweise beim Verdacht auf einen Douglasabszess.

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