Weihnachten

Frohes Fest, gefährliches Fest?

Die Redaktion der "Ärzte Zeitung" wünscht allen Lesern ein besinnliches Fest - und erklärt, warum die Feiertage gefährlich für die Gesundheit werden könnten.

Veröffentlicht: 24.12.2012, 05:00 Uhr
Frohes Fest, gefährliches Fest?

Etwas weniger wäre sicherlich gut.

© Marco2811 / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Weihnachtszeit, das Fest der Liebe und Besinnlichkeit - eine Zeit, in der auch mal die Kollegen in den Kliniken und Notaufnahmen abschalten können? Nicht unbedingt, wie Studien zeigen. Denn offenbar sind Feiertage und allen voran die Weihnachts- und Neujahrstage ein Risiko für die Gesundheit.

Das zeigt schon ein Beispiel aus Australien: Kollegen aus Melbourne hatten jüngst errechnet, dass vor allem die Tage vor großen Festen der Gesundheit große Probleme bereiten (Addiction 2012; online 5. Dezember).

Das Problem ist der Alkohol: Vor allem am letzten Arbeitstag vor Weihnachten haben die Notfallretter und Notaufnahmen in Australien demnach deutlich mehr Fälle akuter Alkoholintoxikation zu versorgen. Fast neunmal mehr Patienten werden dann mit einem C2-Intox aufgenommen - ein signifikanter Unterschied.

Auch der Neujahrstag scheint nicht unproblematisch zu sein: Denn auch hier war das Risiko, wegen einer akuten Alkoholintoxikation Begegnung mit dem Rettungsdienst zu machen, immerhin 6,57-fach höher als an anderen Tagen im Jahr.

Doch nicht nur Alkohol scheint ein Problem zu sein. Epidemiologen verweisen darauf, dass es vor allem in den letzten Tagen des Jahres zu sogenannten Mortalitätsspitzen kommt.

Vor acht Jahren hatten Soziologen aus San Diego in Kalifornien gezeigt, dass die Sterblichkeit wegen Herzkreislauferkrankungen insgesamt nicht nur im Dezember und Januar höher ist, sondern die Spitze der Mortalität gerade an Weihnachten und Neujahr auftritt (Circulation 2004; 110: 3781).

Danach gibt es in der Zeit zwischen Heiligabend und Neujahr 4,65 Prozent mehr kardiale Todesfälle und 4,99 Prozent mehr nichtkardiale Todesfälle als rechnerisch erwartbar wäre.

Die Autoren kamen schließlich salopp zu dem Fazit: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Weihnachten und Neujahr Risikofaktoren für die Mortalität sind."

Eine Erklärung für diesen Effekt könnten die Urlaubstage zwischen den Jahren selbst liefern: Wer im Urlaub weilt, oder zu Hause die Familie umsorgt, kommt womöglich später zum Arzt, als gut für ihn wäre.

Sind Katecholamine schuld?

Eine ähnliche Mortalitätsspitze hatten Forscher 2005 auch für Europa belegt - zumindest für den Nordosten Englands (Eur J Epidemiol 2005; 20: 849). Allerdings war hier das Weihnachtsfest nicht das Problem.

Zwar stieg die Mortalität auch in dieser Untersuchung der Todesfälle aus den Jahren zwischen 1986 und 2000 in den Monaten Dezember und Januar an. Wirklich kritisch wurde es aber erst am Neujahrstag.

Hier erreichte die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herzerkrankungen oder respiratorischen Problemen ihren Höhepunkt. Starben im Tagesdurschnitt normalerweise 243 Menschen, waren es am Neujahrstag 341 - mit einem deutlichen Anstieg ab Heiligabend.

Liegt es also am Weihnachtsstress, dass die Mortalität am Jahresende steigt? Liegt es vielleicht sogar daran, dass Praxen und Kliniken in diesen Tagen weniger stark besetzt sind? Oder gehen die Menschen zwischen den Jahren einfach später zum Arzt? Hypothesen gibt es viele, wirkliche Erklärungen sind jedoch rar.

Eine neue mögliche Erklärung, zumindest für die kardiale Sterblichkeit, hatte in diesem Jahr der Forscher Ken Eagle aus Texas publiziert - anhand des plötzlichen Herztodes, dessen Fälle ebenfalls an Weihnachten und Neujahr, aber auch an anderen Feiertagen zunehmen (J Appl Toxicol 2012; 32: 751).

Eagle vermutet, dass Katecholamine die Übeltäter sein könnten. Zur Erinnerung: Steigt die Dosis im Körper enorm an, können die Hormone kardiotoxisch wirken. Eagles Ansatzpunkt ist SULT1A, eine Sulfotransferase, die Katecholamine abbaut.

Die Hypothese: Durch exzessives Essen während der Feiertage, Alkoholkonsum und Stress wird SULT1A inhibiert - die Spiegel von Adrenalin und Co. steigen, mit entsprechend negativen Folgen vor allem für herzkranke Menschen.

Die Sulfotransferase wird offenbar von natürlichen Polyphenolen, etwa Flavonoiden, blockiert - bekanntermaßen ist auch Wein reich davon (Food Chem Toxicol 2012; 50(6): 2243).

Vermutlich scheint zum Fest der banalste Rat immer noch der beste zu sein, nämlich nicht zu sehr über die Stränge schlagen. (nös)

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