HIV

Frühe Therapie stärkt Immunsystem besser

Forscher aus den USA haben ein weiteres Argument gefunden, warum eine Behandlung nach einer HIV-Infektion frühzeitig beginnen sollte: Das Immunsystem lässt sich dadurch offenbar besser stärken.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Modell eines HI-Virus. Mit früher Therapie lässt sich die Zahl der HI-Viren reduzieren.

Modell eines HI-Virus. Mit früher Therapie lässt sich die Zahl der HI-Viren reduzieren.

© psdesign1 / fotolia.com

SAN ANTONIO. Bereits Mitte der 1990er-Jahre plädierten viele HIV-Therapeuten für einen frühen Behandlungsbeginn nach dem Motto "Hit hard, hit early".

Doch bisher war nicht klar, wie sich ein früher oder ein später Zeitpunkt des Therapiebeginns jeweils auf das Immunsystem der Patienten auswirkt.

Um das zu prüfen, wurde in einer prospektiven US-Studie zwischen 1996 und 2010 bei HIV-Infizierten die antiretrovirale Therapie innerhalb von vier Monaten nach der vermuteten Infektion oder aber später begonnen (N Engl J Med 2013; 368: 218-30).

Dieser Zeitraum wurde gewählt, weil sich in einer Subgruppe der Studie mit fast 500 Teilnehmern bestätigt hatte, dass sich ohne Therapie die Zahl der CD4-positiven T-Lymphozyten zunächst bis zu vier Monate nach der Infektion vermehrt - eine spontane Restauration des Immunsystems - und danach kontinuierlich bis zum Ende des Therapiezeitraums nach 48 Monaten sinkt. Im Median stieg die Zellzahl von etwa 500 auf 760 pro Mikroliter Blut.

CD4-Wert von mindestens 900 pro Mikroliter Blut

Als primären Endpunkt wählten die HIV-Therapeuten um Dr. Tuan Le vom Veterans Affairs Center for AIDS and HIV-1 Infection in San Antonio einen CD4-Wert von mindestens 900 pro Mikroliter Blut.

Diese Zellzahl kristallisierte sich nach Angaben der Wissenschaftler aus der Blutanalyse bei mehr als 16.000 HIV-negativen Teilnehmern in 25 Studien als Mittelwert und als Surrogatmarker für ein starkes Immunsystem heraus.

Durch die frühe Therapie erreichten signifikant mehr Patienten innerhalb der vier Jahre den primären Endpunkt, nämlich 64% der Patienten, dagegen nur 34% in der Patienten, deren HIV-Therapie frühestens vier Monate nach Infektion begonnen hatte.

Unabhängig vom Zeitpunkt des Therapiebeginns war die Chance, den primären Endpunkt zu erreichen, bei jenen HIV-Infizierten drastisch verringert, deren CD4-Wert beim Therapiestart mit weniger als 500 pro Mikroliter Blut schon sehr niedrig war.

Fast alle Studienteilnehmer waren Männer

Einschränkend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass sie keine Aussagen über den Einfluss des frühen oder späten Therapiebeginns auf die klinische Progression machen können.

Zudem sei eine Verallgemeinerung des Studienergebnisses unter anderem deswegen nicht möglich, weil mit einem Anteil von 97% die meisten Studienteilnehmer Männer waren.

Trotz der Einschränkungen liefert die Untersuchung gemeinsam mit der SPARTAC-Studie (The Short Pulse Anti-Retroviral Therapy at Seroconversion) starke Hinweise auf den Nutzen des frühen Therapiebeginns, wie Dr. Bruce D. Walker vom Ragon-Institut und Dr. Martin S. Hirsch vom Massachusetts General Hospital in Boston in einem Kommentar zu beiden Studien schreiben (NEJM 2013; 368: 279-281).

Sie halten es für möglich, dass sich in künftigen Studien ein noch stärkerer Nutzen bei einem noch früheren Therapiebeginn zeigt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: HIV - Surrogatmarker adé?

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