Antibiotika-Prophylaxe

Fünf-Punkte-Plan gegen Wundinfektionen

Um die Zahl der Wundinfektionen zu senken, aber gleichzeitig unnötigen Antibiotikagebrauch zu verhindern, haben Experten einen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt. Der Plan soll auf dem 131. Chirurgenkongress in Berlin vorgestellt werden.

Veröffentlicht:

BERLIN. Bei bis zu zwanzig Prozent aller Patienten, die im Bauchraum operiert werden, treten Wundinfekte auf.

Um diese Anzahl zu verringern, hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) einen Fünf-Punkte-Plan zum Umgang mit Antibiotika vor und nach operativen Eingriffen entwickelt.

An erster Stelle dieses Leitfadens steht die Auswahl eines geeigneten Antibiotikums in korrekter Dosierung, wird in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) betont.

"Eine interdisziplinäre Gruppe erstellt dazu eine Liste mit Empfehlungen", erklärt Professor Stefan Maier, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Kaufbeuren.

Die Liste berücksichtigt, welche Erreger bereits Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. Die Liste soll aber auch aufzählen, welche Eingriffe - wie etwa Schilddrüsen-Operationen - ohne Antibiotika erfolgen können.

Wer soll das Medikament geben? Punkt zwei des Prophylaxe-Plans legt fest: Es ist Aufgabe der Anästhesie, das Antibiotikum zu verabreichen.

Diese Regelung soll damit drittens sicherstellen, dass die Prophylaxe zuverlässig sechzig bis dreißig Minuten vor dem Eingriff erfolgt. "Das ist der optimale Zeitpunkt", so DGCH-Experte Maier.

Antibiotika nach der Op sind in der Regel nicht nötig

Dauert die Operation voraussichtlich nicht länger als drei Stunden, ist diese einmalige Gabe ("single shot") ausreichend. "Nur bei längerer Operation oder starkem Blutverlust sollte das Antibiotikum während des Eingriffs erneut gegeben werden", erklärt Maier.

Auf diese Regel Nummer vier folgt der letzte Punkt des Leitfadens, wonach eine Gabe von Antiinfektiva über die Operation hinaus unbedingt unterbleiben sollte. Es sei unnütz, nach der Operation weiterhin vorbeugend Antibiotika zu verabreichen.

Durch diesen unnötigen Gebrauch werde die Entstehung und Verbreitung lebensgefährlicher Krankenhausinfektionen gefördert - es entwickeln sich multiresistente Krankenhauskeime.

Auch kann eine unnötig lange Antibiotikatherapie das Gleichgewicht der Darmflora stören - mit der Folge, dass sich Erreger ausbreiten und schwere Darminfektionen auslösen. (eb)

Weitere Infos zum Chirurgenkongress unter www.chirurgie2014.de.

Mehr zum Thema

Kritik an Corona-Verfahren

Warken kontert Vorwürfe von US-Gesundheitsminister Kennedy

B- und T-Zell-Immunität

Richtig impfen gegen Influenza und COVID-19

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Abb. 1: sPGA-Ansprechen über zwei Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Psoriasis-Therapie bei Kindern und Erwachsenen

PDE-4-Hemmer: erste orale Systemtherapie für Kinder − auch bei besonderen Manifestationen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wirkt auch bei Ceftriaxon-Resistenz

Zoliflodacin als neue Option in der Antibiotika-Therapie der Gonorrhö

Lesetipps