Kommentar – Komplementärmedizin

Gar nicht harmlos!

Von Beate Schumacher Veröffentlicht: 17.08.2018, 11:45 Uhr

Das Bedürfnis von Patienten, nach der Diagnose einer schweren Erkrankung nichts unversucht zu lassen, ist verständlich: Etwa 50 Prozent der Krebskranken in Deutschland nutzen ein breites Spektrum an komplementären Behandlungsmethoden, von Phytotherapie über Homöopathie und TCM bis zu Krebsdiäten oder Außenseiterverfahren. Mit den als natürlich und schonend wahrgenommenen Verfahren hoffen sie, die Wirkung der Standardtherapie zu optimieren.

Tatsächlich können einige komplementärmedizinische Maßnahmen bei indikationsgemäßer Anwendung die Nebenwirkungen von etablierten Therapien reduzieren und/oder die Lebensqualität verbessern. Die meisten Methoden sind jedoch nicht ausreichend geprüft; ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sind nicht erwiesen.

Schädliche Wirkungen können auch durch Interaktionen mit der Standardtherapie hervorgerufen werden. Die größere Gefahr scheint jedoch darin zu bestehen, dass die Patienten den Begriff der komplementären – sprich: ergänzenden – Therapie missachten. Durch pseudowissenschaftliche Publikationen und falsche Heilversprechen in Bezug auf die Komplementärmedizin verführt, zögern sie evidenzbasierte kurative Therapien hinaus oder lehnen sie ab. Die vermeintlich "sanfte Medizin" kann dann im schlimmsten Fall tödlich wirken.

Lesen Sie dazu auch: Schlechtere Überlebenschancen: Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Mehr zum Thema

Onkologie

Rozlytrek®: Neue tumoragnostische Therapie

Westfalen-Lippe

Ärztekammer fürchtet Kahlschlag bei Brustzentren

Dermatologische Prävention

Sunface-App reduziert Solariumnutzung

Schlagworte
Das könnte Sie auch interessieren
Thromboseprophylaxe und COVID-19

„ÄrzteTage extra“-Podcast

Thromboseprophylaxe und COVID-19

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Leo Pharma GmbH, Neu-Isenburg
Kommentare
Rudolf Hege

Potential verschenkt

Leider hat diese Studie Potential verschenkt. Es ist ja richtig, dass viele komplementäre Methoden nicht wirklich umfassend untersucht sind - es finden sich selten Sponsoren für entsprechende Studien, versprechen Curcumin & Co doch keine attraktiven Renditen. Also werden sie meist aufgrund von Erfahrungen oder Pilotstudien angewendet, die nicht immer verallgemeinert werden können.
Insofern wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Studie auch erfasst hätte, was für Methoden im Einzelfall angewendet wurden - und ob sich daraus Unterschiede ergeben. Ob man beispielsweise mit Hyperthermie und Curcumin agiert oder - wie Steve Jobbs - NUR mit Meditation und Ernährung, ist in meinen Augen durchaus ein Unterschied. Während der eine sich für eine umfassende individuelle komplementäre Strategie entscheidet, versucht der andere seinen Krebs mit MMS wegzutröpfeln. Das gleichzusetzen ist doch sehr fragwürdig.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Sunface-App reduziert Solariumnutzung

Dermatologische Prävention

Sunface-App reduziert Solariumnutzung

Corona-Teststation mit technischen Tücken

COVID-19-Testcenter Tegel

Corona-Teststation mit technischen Tücken

Grüne und Linke drängen auf Finanzreform bei Pflege

Steigende Zuzahlungen

Grüne und Linke drängen auf Finanzreform bei Pflege

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden