Direkt zum Inhaltsbereich

Gestörtes Protein-Recycling bei Patienten mit ALS

CHICAGO (dpa). US-Forscher haben eine gemeinsame Ursache für die verschiedenen Formen der schweren und unheilbaren Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gefunden.

Veröffentlicht:

Demnach ist die Reparatur von Eiweißen im Gehirn oder Rückenmark von ALS-Patienten gestört, wie US-Forscher um Dr. Teepu Siddique von der Northwestern Universität in Chicago berichten (Nature online, 21. 8. 2011).

Die Nervenzellen werden dadurch schwer geschädigt. Der Erfolg der ALS-Forschung öffnet Siddique zufolge "ein ganzes, neues Feld, um eine wirksame Behandlung gegen ALS zu finden".

So könnten Medikamente getestet werden, die diese Art der Eiweißreparatur regulieren oder verbessern und somit ihre Funktion aufrechterhalten.

Fehler in Ubiquilin-2

Die Störung beim Protein-Recycling führen die Forscher auf das Eiweiß Ubiquilin-2 zurück. Dessen Aufgabe sei es, beschädigte oder falsch gefaltete Proteine in motorischen Nervenzellen und Neuronen der Großhirnrinde wieder zu verwerten.

Bei ALS-Patienten arbeite Ubiquilin-2 nicht richtig. Dadurch sammle sich das Eiweiß zusammen mit den beschädigten Proteinen in den Neuronen an, lagere sich ab und lasse die Zellen zugrunde gehen.

Bei Patienten, bei denen ALS gehäuft in der Familie vorkommt, fanden die Forscher Mutationen im UBQLN2-Gen. Die typischen Ablagerungen treten jedoch auch bei Patienten ohne die Mutation auf. Für ihre Studien analysierten die Forscher unter anderem Daten von fünf Generationen einer Familie, in der 19 Familienmitglieder ALS hatten.

Siddique befasst sich seit mehr als 25 Jahren mit ALS und ist Autor vieler Studien. Die nun erlangten Erkenntnisse könnten nach Auskunft der Forscher auch eine Bedeutung für Krankheiten wie Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson haben.

350.000 Patienten weltweit

ALS-Patienten wie der britische Astrophysiker Stephen Hawking leiden an fortschreitenden Muskellähmungen und können sich im Verlauf der Erkrankung nicht mehr bewegen, sie haben Schwierigkeiten zu schlucken, zu sprechen oder zu atmen.

Weltweit sind Schätzungen zufolge 350.000 Menschen davon betroffen, etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre an den Folgen der Erkrankung. Es gibt auch eine Form, die eine Art Demenz auslöst.

Dabei verlernen die Patienten, einfachste Aufgaben auszuführen und verlieren ihr Sprachverständnis. Nur bis zu zehn Prozent der ALS-Fälle treten familiär gehäuft und somit vererbt auf, der Rest "spontan". Es sind bereits einige Mutationen bekannt, die mit ALS zusammenhängen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

2. Preis Charity Award 2026

Die „Grünen Damen und Herren“ – weit mehr als ein Besuchsdienst

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungsberichte aus ärztlicher Perspektive

DiGADocs: Hausärzte testen Digitale Gesundheitsanwendungen für Kollegen

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

© iLexx / Getty images / iStock

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram