Glukose einfach über die Nieren ausscheiden?

LEIPZIG (sir). Ein völlig neuer Ansatz zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern ist in Sicht: die Hemmung der Rückresorption von Glukose aus den proximalen Tubuli der Nieren ins Blut.

Veröffentlicht:

"Fast zu einfach, um wirklich zu funktionieren", meinte Dr. Tim Heise, Stoffwechselforscher aus Neuss. Bei einem von Boehringer Ingelheim unterstützten Symposium hat er das Wirkprinzip erklärt: Nach seinen Angaben filtert die Niere täglich etwa 180 Gramm Glukose ab. 90 Prozent davon werden gleich im ersten Segment des proximalen Tubulus mit Hilfe des Natriumglukosetransporters 2 (Sodium Glucose Transporter 2, SGLT 2) rückresorbiert.

Den Rest erledigt SGLT 1 in den beiden nächsten Segmenten des proximalen Tubulus und damit noch vor der Henle'schen Schleife - ein Gesunder scheidet praktisch keine Glukose im Urin aus. "Wird SGLT 2 blockiert, kann man damit eine tägliche Glukoseausscheidung im Harn von bis zu 90 Gramm erreichen", berichtete Heise. Mehrere Unternehmen arbeiten derzeit an der Entwicklung von SGLT-2-Hemmern, dazu gehört auch Boehringer Ingelheim mit dem Wirkstoff BI 10773.

Völlig neuer Ansatz zur Diabetes-Therapie wird erforscht.

"In klinischen Studien haben SGLT-2-Hemmer den HbA1c signifikant wirksamer als Placebo und etwa genauso wirksam wie Metformin gesenkt", so Heise. "Positiver Nebeneffekt in einer zwölfwöchigen Studie war ein Gewichtsverlust von etwa drei Kilogramm."

Die Rate unerwünschter Wirkungen sei der von Placebo ähnlich gewesen. Insbesondere seien keine Osmolaritätsveränderungen, Elektrolyt- oder Volumenverluste oder hypotensiven Ereignisse aufgetreten. "Und auch keine vermehrten Harnwegsinfekte", so Heise. Diese werden von manchen Experten offenbar befürchtet, vor allem bei Frauen. Beruhigend ist nach Angaben von Heise die Tatsache, dass es Menschen gibt, bei denen SGLT 2 aufgrund einer Mutation nicht ausreichend wirken kann und bei denen trotz erheblicher Glukosurie keine unangenehmen Nebeneffekte beobachtet wurden.

Mehr zum Thema

Hypercholesterinämie

Welche Fragen haben Patienten zum Thema Blutfette?

GKV-Daten

Typ-2-Diabetes und Depression folgen oft aufeinander

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

GKV-Daten

Typ-2-Diabetes und Depression folgen oft aufeinander

Postoperative Infektionen

Appendektomie: Vorsicht bei systemischen Glukokortikoiden!

Lesetipps
Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium