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Grippe-Experten blicken neidisch nach Japan

BERLIN (gvg). Bei der Verleihung des Robert-Koch-Preises in Berlin haben deutsche Grippe-Experten erneut ein umfangreicheres Impfprogramm angemahnt. Auch von einer spezifischeren Therapie könnten viele profitieren.

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Professor Yoshihiro Kawaoka, einer der beiden diesjährigen Träger des Robert-Koch-Preises, berichtete über gute Erfahrungen mit flächendeckenden Grippe-Tests. Ein solcher Test werde in Japan in der Grippe-Saison bei jedem Patienten mit ausgeprägten grippalen Symptomen gemacht. Sei er positiv, werde antiviral therapiert.

"Die Folge ist, daß etwa zehn Prozent der Bevölkerung jedes Jahr eine spezifische Grippe-Therapie erhalten", erläuterte Kawaoka. "Daten zur Sterblichkeit gibt es nicht. Aber wir konnten zeigen, daß durch diese Praxis der Antibiotika-Verbrauch stark zurückging, weil es weniger sekundäre Pneumonien gibt."

Professor Peter Palese aus New York, der zweite Preisträger, wies darauf hin, daß eine gute Infrastruktur bei der saisonalen Grippe einem Land auch im Falle einer Grippe-Pandemie zugute komme, weil dann kein logistischer Kraftakt mehr nötig sei, um die Ressourcen zu beschaffen. So würden in Japan schon heute vor Beginn jeder Grippe-Saison antivirale Medikamente für ein Viertel der Bevölkerung auf Lager gehalten.

Ähnlich günstig für saisonale Grippe und Pandemie sei ein umfangreiches Grippe-Impfprogramm, betonte Professor Hans-Dieter Klenk aus Marburg, der - wie berichtet - die Robert-Koch-Medaille in Gold für sein Lebenswerk erhielt. "Wir impfen noch immer nicht genug", so Klenk. Und wieder ging der Blick nach Japan, wo einige Jahre lang Schulkinder geimpft wurden. Als man damit aufhörte, stieg die Zahl schwerer Atemwegsinfektionen bei alten Menschen abrupt an.

Lesen Sie auch: Pandemie-Kosten entstehen vor allem durch die Versuche der Menschen, der Infektion zu entgehen

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