Direkt zum Inhaltsbereich

Gute Chancen für Kinder mit Krebs

Kinder, die eine Krebserkrankung haben, werden in Deutschland medizinisch sehr gut versorgt. Das zeigt eine Untersuchung des IQWiG.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

KÖLN. Die Überlebenschance von Kindern, die an Krebs erkrankt sind, ist in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Das wirft ein gutes Licht auf die Qualität der pädiatrisch-onkologischen Versorgung. Wie es um wichtige Aspekte wie die Lebensqualität, Schmerzen oder Langzeitfolgen der Erkrankung und der Therapie bestellt ist, lässt sich dagegen nur schwer feststellen. Dafür ist die Studienlage zu schlecht.

Das zeigt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur "Qualität der pädiatrisch-hämatologisch-onkologischen Versorgung". Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss in Auftrag gegebene Analyse stützt sich auf eine systematische Literaturrecherche. "Bei der Versorgungsanalyse werden keine kausalen Aussagen zum Nutzen einzelner diagnostischer oder therapeutischer Verfahren gemacht, sondern Teilbereiche der Versorgung beschrieben, gegebenenfalls Evidenzlücken identifiziert und eine Bewertung der Versorgungssituation, soweit die vorliegenden Daten das zulassen, vorgenommen", beschreibt das IQWiG die Methode.

Nach der aktuellen Studienlage schneidet die Versorgung von krebskranken Kindern mit Blick auf den Endpunkt Überleben in Deutschland sehr gut ab. Von den Kindern, die im Zeitraum zwischen 2000 und 2004 erkrankten, überlebten 80 Prozent fünf Jahre. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den Indikationen. "Während Patienten mit lymphatischen Malignomen sehr günstige Überlebenswahrscheinlichkeiten aufwiesen, war die Prognose bei Kindern mit Hirntumoren und Patienten mit AML weniger günstig", heißt es im Abschlussbericht. In Deutschland werden 90 Prozent aller krebskranken Kinder in Therapieoptimierungsstudien behandelt. Das sehen die Autoren als Indikator für einen hohen Versorgungsstandard.

Die Experten haben große Evidenzlücken festgestellt. Es gibt kaum Studien zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei krebskranken Kindern. "Für den patientenrelevanten Endpunkt Schmerz ist die Situation noch schlechter", schreiben sie. Auch für die Endpunkte "therapiebedingte Todesfälle" und "Langzeitfolgen der Erkrankung und der Therapie" kommen die Wissenschaftler nicht zu allen in die Untersuchung eingeschlossenen Krankheitsbildern zu einem Ergebnis.

Mit Ausnahme der Zweittumoren war eine Quantifizierung der Langzeitfolgen nicht möglich. "Bei Überlebenden einer kindlichen Krebserkrankung werden 10- bis 20-mal so häufig Zweittumoren beobachtet wie in der allgemeinen Bevölkerung", hält der IQWiG-Bericht fest.

Ein Defizit sehen die Wissenschaftler auch in der Datenlage zur Struktur- und Prozessqualität. "Zu Strukturmerkmalen konnten nur wenige quantitative und zum Teil nicht mehr aktuelle Angaben in den Bericht aufgenommen werden." In Deutschland fehle es an definierten Qualitätsindikatoren für die Pädiatrie und die pädiatrische Hämato-Onkologie. Ob sich hinter den aufgezeigten Evidenzlücken tatsächlich Versorgungsdefizite verbergen, lasse sich aufgrund der Literaturrecherche nicht feststellen, schreiben die Autoren. Deshalb würden weitere Studien dringend benötigt. Sollten sich auf dieser Basis tatsächliche Versorgungsprobleme zeigen, könnten Vorschläge für qualitätsverbessernde Maßnahmen erarbeitet werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss

IGES-Gutachten

Bei den Krebsregistern bremst föderale Vielfalt die Datenqualität

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: ASTRUM-005-Studie: Finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„Rettungskiste“ für die Praxis

Chronische Schmerzen: 5 Tipps fürs Patientengespräch

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Lesetipps
5 verschiedene ältere Menschen.

© [M] l.o. © kegfire / stock.adobe.com | l.u. © alexandre zveiger / stock.adobe.com | © m.o. © ramvseb / stock.adobe.com | m.u. © Anton / stock.adobe.com | r. © Africa Studio / stock.adobe.com

5 Beispiele aus der Praxis

Vorhofflimmern: Bei wem muss vor einer Operation die Antikoagulation pausiert werden?