Gute Erfolge mit Desmopressin bei Bettnässern

BERLIN (grue). Für Kinder, die nachts nicht trocken werden, gibt es wirksame Therapien. In einer urologischen Schwerpunktpraxis bekamen 16 Prozent das Problem durch Verhaltenstherapie in den Griff, mit Hilfe von Medikamenten wurden weitere 83 Prozent innerhalb weniger Wochen trocken. Nur eins von 100 Kindern sprach auf keine Therapie an.

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Das nächtliche Einnässen nach dem sechsten Lebensjahr ist nach Allergien die zweithäufigste Erkrankung bei Kindern. Über die primäre Enuresis nocturna wird aber nicht gern gesprochen, und es wird häufig nicht adäquat behandelt. Oft werden frustrane Versuche mit der Klingelhose gestartet, manchmal gar trizyklische Antidepressiva verordnet.

"Dabei gibt es klare Vorgaben für die Diagnostik und Therapie bei primärer Enuresis", sagte Dr. Arne-Daniela Marschall-Kehrel aus Oberursel auf einer Veranstaltung des Unternehmens Ferring in Berlin. Die Urologin hat sich auf die Behandlung von bettnässenden Kindern spezialisiert und hält sich eng an den vor ihr mitentwickelten Therapie-Algorithmus.

Die Behandlung sollte nicht-medikamentös beginnen mit Motivation, Veränderung des Trinkverhaltens und Biofeedback-Training. "Auch die Klingelhose hat ihre Berechtigung, aber nur bei Kindern, die keinen allzu tiefen Schlaf haben", sagte die Fachärztin.

Hilft das alles nicht, sollte mit Desmopressin (vom Unternehmen als Minirin® angeboten) behandelt werden. Das synthetische Hormon-Analogon gleicht einen Vasopressin-Mangel aus. "Die meisten Kinder, die einnässen, schütten nachts zu wenig Vasopressin aus und produzieren deshalb zu viel Urin", so Marschall-Kehrel. "Das Präparat wirkt sehr gut und ist bei richtiger Anwendung verträglich".

Die Urologin wertete die Daten von 217 bettnässenden Kindern aus, die auf eine Verhaltenstherapie nicht angesprochen hatten. 60 Prozent wurden innerhalb von zwei Wochen allein mit Desmopressin-Tabletten trocken und weitere 23 Prozent nach Kombination mit anderen Medikamenten.

Für die Kombinationstherapie eignen sich Anticholinergika und Alpha-Blocker. Die früher üblichen Antidepressiva sind obsolet. "Werden die Medikamente dann langsam über einige Monate hinweg abgesetzt, sind Rückfälle selten", sagte die Urologin. Die Kinder nehmen die Tabletten abends ein und dürfen dann nichts mehr trinken. So lasse sich eine Wasserintoxikation sicher vermeiden, sagte Marschall-Kehrel.

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