Direkt zum Inhaltsbereich

Spezielle Pandemiefolge

Hautreaktionen durch Corona-Schutzmasken

Der zum Alltagsaccessoire avancierte Mund-Nasen-Schutz gegen die Übertragung von SARS-CoV-2 zeigt nicht zuletzt an, dass Infektiologen derzeit vielbeschäftigte Leute sind. Doch auch den Dermatologen bescheren die Gesichtsmasken offenbar Arbeit.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Mund-Nasen-Schutz: In einer italienischen Studie wurden  nach einem Monat mit Maskengebrauch bei den Probanden Juckreiz und Acne rosacea beobachtet.

Mund-Nasen-Schutz: In einer italienischen Studie wurden nach einem Monat mit Maskengebrauch bei den Probanden Juckreiz und Acne rosacea beobachtet.

© Markus Ulmer / Pressebildagentur ULMER / picture alliance

Verona. Wie kürzlich zu erfahren war, erlebt die Kosmetikindustrie derzeit einen erheblichen Einbruch ihrer Umsätze. Der Absatz von Lippenstift soll um fast die Hälfte zurückgegangen sein.

Der Grund: Wer einen Mund-Nasen-Schutz trägt, um eine Infektion mit dem COVID-19-Erreger zu vermeiden, benötigt keine geschminkten Lippen mehr.

Italienische Studie zu Hautveränderungen

Den Umsatz von Dermatologika könnten die Gesichtsmasken hingegen sogar fördern, denn Hautirritationen bleiben unter der schweißtreibenden Infektionsbarriere nicht aus.

Eine italienische Forschergruppe um Sheila Veronese von der Universität Verona hat mithilfe der „Environmental Scanning Electron Microscopy“, einer Variante der Rasterelektronenmikroskopie, den Nachweis geführt, dass und wie sich standardmäßig gefertigte chirurgische Masken im Gebrauch verändern und auf die Haut zurückwirken (J Eur Acad Dermatol Venereol 2020; online 1. September).

Deformationen, hervorgerufen durch das Berühren mit den Händen, können demnach die Porosität der Masken reduzieren – von Schmutzeinflüssen zu schweigen. Dies wiederum führt zur Akkumulation von Sauerstoff und Kohlendioxid und zu Veränderungen von Feuchtigkeit und Temperatur im Raum zwischen Gesicht und Maske; das kann nicht nur die Atmung, sondern auch die Haut beeinträchtigen.

Daraus resultierende Fehlregulationen können Hautentzündungen bedingen – ein Prozess, der mitunter in einen Circulus vitiosus mündet. All dies nimmt naturgemäß zu, je länger die Maske getragen wird.

Zwei von zehn Probanden der Veroneser Studie klagten nach einem Monat mit Maskengebrauch über zunehmendes Unbehagen und Juckreiz. Eine dritte Person entwickelte eine veritable Acne rosacea auf Höhe der Wangen. Es bedurfte einer viermonatigen Therapie, zunächst mit einem oralen Tetracyclin, danach topisch mit Ivermectin, um die Effloreszenzen verschwinden zu lassen.

Vermehrt Hautreaktionen mit N95-Schutzmasken

Schon zuvor und teils viel früher sind Berichte erschienen, wonach N95-Schutzmasken bei Gesundheitspersonal zu Kontaktdermatitis, Urtikaria und Allergien geführt haben (J. Dermatitis 2007; 18: 104).

Überhaupt scheinen Hautreaktionen mit N95-Schutz häufiger aufzutreten als mit den üblichen medizinischen Masken (Contact Dermatitis 2020; 83: 115–121). Geklagt wird zudem über Trockenheit, Spannen und Abschilfern der Haut (J Am Acad Dermatol 2020; 82: 1215–1216).

Juckreiz scheint bei rund 20 Prozent der regelmäßigen Maskenträger aufzutreten, was Kratzen, nicht korrekten Maskensitz und verminderten Schutz im Gefolge haben kann (Acta Derm Venereol 2020; online im Mai). Einschränkend sei aber erwähnt, dass auch die von SARS-CoV-2 ausgelöste COVID-19 zu körperlichen Unannehmlichkeiten – durchaus auch dermatologischen – führen kann. Unter ihnen zählt Juckreiz zu den bei Weitem geringsten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?

Frühe Warnzeichen

Bei diesen Hautbefunden auch an Hantavirus denken

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Stirn

© Pedrojperez | iStock

Risiko Aktinische Keratose:

„Es ist nicht so, wie wir es jahrelang geglaubt haben.“

Anzeige | Biofrontera Pharma GmbH
Ärztin mit Patient

© FatCamera | iStock

Aktinische Keratose:

Die Therapieadhärenz ist entscheidend für den Behandlungserfolg

Anzeige | Biofrontera Pharma GmbH
Wange und Nase mit Akne

© Yuliya Shauerman | iStock

Ein Fall für zwei:

Monosubstanz gegen Akne vulgaris und Rosazea

Anzeige | Biofrontera Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Lesetipps