Verunreinigte Nahrungsmittel

Hepatitis-E-Viren in Schweinefleisch nachgewiesen

In mehr als jedem zehnten untersuchten Schweinefleischprodukt haben Forscher Hepatitis-E-Viren entdeckt. Sind verunreinigte Nahrungsmittel der Grund für die die jährlich große Zahl an Hepatitis-E-Neuinfektionen?

Veröffentlicht: 09.09.2020, 16:59 Uhr
Leberwurst: 13 Prozent der untersuchten Proben waren in einer Studie mit Hepatitis E verunreinigt.

Leberwurst: 13 Prozent der untersuchten Proben waren in einer Studie mit Hepatitis E verunreinigt.

© PhotoSG/stock.adobe.com

Tübingen. Tübinger Wissenschaftler haben in mehreren kommerziellen Schweinefleischprodukten Hepatitis-E-Viren (HEV) nachgewiesen.

Das Ergebnis der Studie demonstriere, dass mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben damit kontaminiert seien, heißt es in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Tübingen. An der Untersuchung waren auch das Robert Koch-Institut, das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Medizinische Hochschule Hannover beteiligt.

Die Forscher um Professor Thirumalaisamy Velavan vom Institut für Tropenmedizin am Universitätsklinikum untersuchten Produkte aus Supermärkten und Metzgereien in Tübingen, Reutlingen, Stuttgart und Dortmund. Zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 entnahmen die Wissenschaftler 41 Proben von Schweinelebern, 40 von streichfähigen Leberwürsten, 40 von Leberpasteten und zehn von Rohwürsten ohne Leber.

Die Proben stammten vor allem aus West- und Südwestdeutschland, einige aus europäischen Ländern wie Polen, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Eine innerdeutsche Prävalenz sei nicht festzustellen gewesen (J Viral Hepat 2020; online 1. September).

„Hohes Vorkommen von Hepatitis E“

Die Untersuchung habe ergeben, dass Schweinefleischprodukte deutlich stärker betroffen seien als Schweineleber, wird Velavan in der Mitteilung zitiert. Die Proben der Schweinelebern seien zu fünf Prozent verunreinigt gewesen, bei Leberwürsten seien es 13 Prozent gewesen.

Der Vergleich mit früheren Studien habe zudem ergeben, dass das Vorkommen von Hepatitis-E-Viren in Lebensmitteln mit Schweineleber seit zehn Jahren relativ unverändert und sehr hoch sei. Nicht untersucht wurde nach Angaben der Wissenschaftler jedoch, wie infektiös die Viren sind - sie könnten daher bereits inaktiv sein, wenn die Lebensmittel bei ihrer Herstellung entsprechend erhitzt wurden.

„Große Zahl an Neuinfektionen jedes Jahr in Deutschland“

Das breite Vorkommen in Schweinefleischprodukten könne die jährlich große Zahl an Hepatitis-E-Neuinfektionen in Deutschland erklären, besonders bei Hochrisikogruppen und bei Über-50-Jährigen, schreiben die Forscher.

2019 wurden nach Angaben des Tübinger Instituts in Deutschland 3727 Fälle gemeldet (siehe nachfolgende Grafik). Im August 2020 lag die Zahl für das laufende Jahr bereits bei 2280 bekannten Fällen.

Ein ganzheitlicher Ansatz sei deshalb bei Hepatitis E in Deutschland nötig, der auch die Impfungen von Tieren und Menschen umfassen könne – besonders Schweine, Landwirte sowie Arbeiter in der Fleischverarbeitung.

Ein Impfstoff existiere bereits, sei allerdings in der EU noch nicht zugelassen. Grundsätzlich sollten alle Schweinefleischprodukte vor dem Verzehr ausreichend durchgegart werden, betonen die Wissenschaftler. (mmr/dpa)

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