Herpes Zoster

Hochwirksamer Impfstoff soll noch 2016 in die Zulassung

Wegen der schlimmen Schmerzen kann Gürtelrose Menschen in den Selbstmord treiben. Nun bringt ein neuer Impfstoff-Kandidat Hoffnung - aber nur älteren Patienten.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Herpes zoster: Jeder fünfte über 50 Jahre erkrankt daran.

Herpes zoster: Jeder fünfte über 50 Jahre erkrankt daran.

© Neufried / OKAPIA KG / dpa

WAVRE. Herpes zoster ist grausam: Wegen der mit der Krankheit verbundenen Schmerzen denken Betroffene nicht selten an Selbstmord. Und: Die der Krankheit zugrunde liegende Reaktivierung der im Körper persistierenden Varizella-ZosterViren nimmt mit der Immunseneszenz zu und trifft besonders häufig abwehrgeschwächte Menschen. Bisher gibt es nur eine moderat wirksame Vakzine, mit der sich bei über 60-Jährigen etwa jede zweite Erkrankung verhindern lässt. Es handelt sich dabei um eine hochdosierte Variante des Lebendimpfstoffs gegen Windpocken für Kinder.

Der konventionelle Impfstoff mit abgeschwächten Erregern hat dabei entscheidende Nachteile: Er ist bei besonders gefährdeten Menschen mit Immunschwäche kontraindiziert. Und während das Erkrankungsrisiko mit dem Alter zunimmt, verringert sich die Wirksamkeit des herkömmlichen Impfstoffs mit den Lebensjahren: von 70 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen auf 38 Prozent bei den 70- bis 79-Jährigen.

Die Situation beim Zoster-Schutz könnte sich allerdings bald stark verbessern: Bei einer Presseveranstaltung im Impfstoffwerk des Unternehmens GlaxoSmithKline (GSK) in Wavre bei Brüssel hat Dr. Thomas Breuer, der Chief Medical Officer von GSK Vaccines Zwischenergebnisse einer Studie zu einem neuen rekombinanten Subunit-Impfstoff vorgestellt; die Vakzine enthält dabei das aus dem Malaria-Impfstoff des Unternehmens bekannte Adjuvans AS01.

Über 97 Prozent Wirksamkeit

Die neue Vakzine (vorgesehener Handelsname: Shingrix™) wurde in einer kontrollierten Phase-III-Studie mit 15.411 Probanden im Alter über 50 Jahre in 18 Ländern geprüft. Von den Teilnehmern bekamen 7698 den Impfstoff und 7712 Placebo. Ergebnis: Binnen 3,2 Jahren bekamen 6 Probanden der Impfstoffgruppe und 210 Probanden der Placebogruppe einen Herpes zoster. Das entspricht einer Wirksamkeit des Impfstoffs von insgesamt 97,2 Prozent (NEJM 2015; 372: 2087).

Die Vakzine war in der Studie bei den 50- bis 59-Jährigen mit 96,6 Prozent im Vergleich zu den über 70-Jährigen mit 97,9 Prozent nahezu identisch wirksam. Schwere Nebenwirkungen traten nach den Studiendaten in der Vakzine- und der Placebogruppe ähnlich häufig auf. Schwerere lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle gab es bei 9,5 Prozent in der Verum- und 0,4 Prozent in der Placebogruppe.

Systemische Reaktionen wie Myalgien, Fatigue und Headache trafen 11,4 Prozent der Verum- und 2,4 Prozent Placebo-Probanden.

Vakzine ist bei Immunschwäche geeignet

Inzwischen gibt es auch gepoolte Daten aus mehreren Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs gegen einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN), wie Breuer berichtet hat. Danach wird bei Herpes zoster nach Impfung das Auftreten von PZN um 89 Prozent verringert. Studiendaten zur Wirksamkeit der Impfung bei Patienten mit Immunschwäche sollen 2017 vorliegen. Nach hämatologischer Stammzell-Transplantation zeigte sich die Vakzine als sicher und immunogen (Blood 2014; 124: 2921).

Der Impfstoff soll in der zweiten Jahreshälfte in Europa, Japan und den USA zur Zulassung eingereicht werden, berichtete Breuer.

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