Hypertonie-Experten stört der Tonfall des IQWiG

BERLIN (gvg). Seitens der Deutschen Hochdruckliga (DHL) hagelt es weiter Kritik am IQWiG-Abschlussbericht zu Antihypertensiva. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck des Berichts und um den Tonfall der Auseinandersetzung.

Veröffentlicht:
Was ist die beste Medikation für Hypertoniker? - Darüber gibt es Streit.

Was ist die beste Medikation für Hypertoniker? - Darüber gibt es Streit.

© Foto: dpa

Der Vorsitzende der DHL, Professor Joachim Hoyer von der Universität Marburg, betonte bei einem Pressegespräch erneut, dass ein erheblicher Teil der Hypertoniepatienten Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus habe. "Weil das so ist, darf man nicht suggerieren, dass Diuretika für einen Großteil der Patienten mit arterieller Hypertonie die Therapie der ersten Wahl seien", so Hoyer. Das führe in dieser Pauschalität Ärzte wie Patienten gleichermaßen in die Irre.

Neben dieser Kritik an dem (auch durch die Fragestellung bedingten) Gesamttenor des Berichts stört die Experten von der DHL auch die konkrete Schlussfolgerung, wonach Diuretika in der Monotherapie der arteriellen Hypertonie bei Patienten ohne Begleiterkrankungen Mittel der ersten Wahl seien. Diese Aussage beruhe wesentlich auf der ALLHAT-Studie, die durch ihre schiere Größe in der Statistik so viel Gewicht gehabt habe, dass kleinere Studien mit gegenteiligen Resultaten bei der Gesamtbewertung kaum ins Gewicht gefallen seien.

"Das Problem an der ALLHAT-Studie ist, dass sie nicht einfach auf Europa übertragen werden kann", so Hoyer. Zum einen wurde in ALLHAT mit Chlortalidon ein Diuretikum verwendet, das zumindest in Deutschland kaum zum Einsatz kommt. Zum anderen war ein erheblicher Teil der ALLHAT-Patienten afroamerikanischer Herkunft. Bei diesen Menschen aber sind ACE-Hemmer aus genetischen Gründen schlechter wirksam als bei Menschen kaukasischer Abstammung.

Abgesehen von der inhaltlichen Kontroverse hat der Konflikt zwischen DHL und IQWiG auch eine andere Dimension. Die Fachgesellschaften hatten ihre Kritik an dem Vorbericht in ausführlichen Stellungnahmen erläutert. Obwohl das mit sehr viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden gewesen sei, finde sich von den Anregungen der Experten im Abschlussbericht so gut wie gar nichts wieder, so Hoyer.

Der DHL-Chef kritisierte auch, dass das IQWiG Studien wie ONTARGET, die erst während der Entstehungsphase des Berichts publiziert wurden, einfach ignoriert hat. Dies sei bei der guten personellen Ausstattung des Instituts nicht akzeptabel.

Lesen Sie dazu auch: Hochdruckliga und IQWiG streiten weiter

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland

Lesetipps
Eine kalorienarme, pflanzenbasierte Kost für mehrere Tage am Stück pro Monat kann Patienten und Patientinnen mit Morbus Crohn bei der Remission helfen.

© rh2010 / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?