Kolorektales Karzinom/Darmkrebs

Immer mehr Unternehmen sagen dem Darmkrebs den Kampf an

Um ihre Mitarbeiter vor Darmkrebs zu schützen, setzen Betriebe verstärkt auf Vorsorge. Dass sich die Programme für beide Seiten lohnen, zeigt das Beispiel BASF.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

Mitarbeiter des Chemie-Riesen BASF in Ludwigshafen, die älter sind als 45, bekommen einmal im Jahr Post der besonderen Art. In einem persönlichen Schreiben werden sie vom Betrieb umfassend über Darmkrebsvorsorge informiert und zur Teilnahme am Screening eingeladen.

Begonnen hat das Projekt "Betriebliche Darmkrebsfrüherkennung" bereits 2001, berichtet Dr. Stefan Webendörfer von der Abteilung Occupational Medical & Health Protection, die über die Gesundheit von rund 35 000 BASF-Mitarbeitern wacht. Schon damals konnten alle Mitarbeiter ab dem 46. Lebensjahr eine Untersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung vornehmen lassen. In einem Fragebogen wurde nach familiärer Vorbelastung mit Darmkrebs, möglichen Beschwerden und der Teilnahme an einer Krebsvorsorge gefragt. Außerdem wurde an die betreffenden Kollegen ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl (FOBT) verteilt. Rund 3700 BASF-Mitarbeiter nahmen das Angebot damals wahr. Neun manifeste Krebserkrankungen und 63 Krebsvorstufen konnten diagnostiziert und in den meisten Fällen auch erfolgreich behandelt werden. Der jüngste Krebspatient war 46 Jahre alt.

"Die Ergebnisse haben uns ermutigt, ein dauerhaftes Angebot zur Darmkrebsfrüherkennung zu etablieren", sagt Webendörfer. Ein Angebot, das inzwischen von deutlich mehr Beschäftigten in Anspruch genommen wird als noch in 2001. So lag die Teilnahmequote zuletzt bei 30 Prozent. Zum Vergleich: In der männlichen Bevölkerung außerhalb der Werkstore von BASF liegt die entsprechende Quote bei 17 Prozent.

Von betrieblicher Darmkrebsvorsorge profitierten beide Seiten, betont Webendörfer. "Die Betroffenen sind dankbar, denn die Chance auf Heilung liegt im Frühstadium der Erkrankung bei mehr als 90 Prozent." BASF konnte durch die Reduzierung krankheitsbedingter Fehlzeiten bislang 1,6 Millionen Euro einsparen.

"Unternehmen haben eine wichtige Funktion beim notwendigen Paradigmenwechsel von der kurativen Versorgung zur präventiven Gesunderhaltung", sagt Dr. Daniel Mauss, Leitender Betriebsarzt beim Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS. Da kassenärztliche Screeningprogramme nur spärlich genutzt würden, stelle Prävention im Betrieb "eine wichtige ergänzende Maßnahme" zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter dar. EADS hat deshalb zusammen mit der Universität Heidelberg einen Gesundheits-Check-Up entwickelt. Jeder teilnehmende Mitarbeiter erhält einen Befundbericht und der Betrieb einen "Atlas" einzelner Abteilungen. Dadurch lasse sich das "betriebliche Gesundheitsmanagement" besser planen, sagt Mauss. Klar, dass regelmäßige Darmkrebsvorsorge mit dazu gehört.

Betriebe können

Mitarbeiter besser zu Vorsorge motivieren.

Mehr zum Thema

Stiftung LebensBlicke

Darmkrebs-Präventionspreis 2022 vergeben

Das könnte Sie auch interessieren
Kasuistik: Das deutliche Ansprechen in der Zweitlinie

© Prof. Dr. Jörg Trojan | Peter Holger Fotografie | Lilly Deutschland GmbH

Patientenfall

Kasuistik: Das deutliche Ansprechen in der Zweitlinie

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Zwischen Trend & Kausalität: Kaffee & Überleben

© Rawpixel | iStock.com

Kolorektales Karzinom

Zwischen Trend & Kausalität: Kaffee & Überleben

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kasuistik: 68-Jährige Patientin mit inoperablen Lebermetastasen

© Fizkes | iStock.com

Patientenfall

Kasuistik: 68-Jährige Patientin mit inoperablen Lebermetastasen

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Menschen demonstrieren im September 2021 vor dem Bundesrat für die Abschaffung des Paragrafen 219a. Der Bundesrat lehnt einen Antrag von fünf Ländern aber ab.

© Wolfgang Kumm/dpa

Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche

Abschaffung von §219a StGB: Justizminister legt Entwurf vor

Versorgung eines amputierten Fingers: Zumidest in den USA wird das einer Studie zufolge wohl häufig nicht richtig gehandhabt.

© dreibirnen / stock.adobe.com

US-Analyse

So werden Amputate richtig aufbewahrt